Lesen! – vor dem Urlaub, im Urlaub, nach dem Urlaub…

Ein Buch ist für mich DAS Medium, um mich mit neuen, noch unbekannten Themen und Orten zu verbinden, mich ihnen anzunähern. Lesestoff zum Thema Sardinien gibt es glücklicherweise genug. Mich wundert das natürlich überhaupt nicht. Schließlich ist die Insel selbst voller Geschichten. Sie wollen nur alle eingefangen und aufgeschrieben werden.

Hier sammle ich für dich meine Lieblingsbücher über Sardinien. Bücher, die dir die Insel näher bringen – so wie sie tatsächlich ist. Ich beschränke mich dabei auf die Bücher, die in deutscher Sprache erhältlich sind.

 


978-3-8031-1277-4miniZum Einstieg:

Sardinien – eine literarische Einladung
herausgegeben von Michaela De Giorgio und Otto Kallscheuer, Wagenbach (2011)

Ein Leckerbissen für Literaturfans mit Text-Häppchen bedeutender sardischer Autoren von den Klassikern des 20. Jahrhunderts über zeitgenössische Autoren bis hin zur jungen sardischen Schriftstellergeneration. Super Überblick, interessanter Einblick und Lesespaß, der Lust macht auf mehr.

 

 
9783803112835Absolutes Muss:

Michela Murgia, Elf Wege über eine Insel – Sardische Notizen
Wagenbach (2015)

Wer wissen möchte, wie Sardinien wirklich tickt und wer ein wenig die Seele der Insel und der Sarden verstehen will, der kommt an Michela Murgias wunderbarem kleinen Reiseführer der ganz anderen Art nicht vorbei. Ein MUSS für alle, die hinter die Fassade des Strand-und-Meer-Sardiniens blicken und sich in die Welt der magischen Legenden entführen lassen wollen, die an allen Ecken auf einen warten. Nach der Lektüre dieses Buches hat man zumindest das Gefühl, Sardinien etwas besser zu verstehen – auch wenn das laut Michela Murgia auf Sardinien nicht möglich ist.

 

accabadora_14047_4cDer Erfolgsroman:

Michela Murgia, Accabadora
dtv (2011)

In ihrem bekanntesten und preisgekrönten Roman erzählt Michela Murgia die Geschichte der Dorfschneiderin Bonaria und ihrer Ziehtochter Maria. Letztere hatte bei der alten Frau nicht nur eine Bleibe, sondern auch ein besseres Leben gefunden. Irgendwann entdeckt das Mädchen jedoch, dass ihre Mutter nachts ein Doppelleben als „Accabadora“ führt: als Frau, die anderen Menschen zum Sterben verhilft. Michela Murgia bringt den Lesern damit gleich zwei Themen näher, die zunächst befremdlich wirken mögen, aber zutiefst in der sardischen Wirklichkeit verankert sind: Bis vor gar nicht allzu langer Zeit war es auf der Insel durchaus üblich, dass Kinder aus armen, vielköpfigen Familien in die Obhut alleinstehender Frauen oder Paare gegeben wurden, die selbst keine Kinder hatten. Ebenso pragmatisch nahm man sich in früheren Zeiten auf Sardinien des Themas Sterbehilfe an und löste es ohne großes Aufheben auf eigene Art und Weise. Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, dem sei es ans Herz gelegt.

 

Wunderbar:

Milena Agus, Die Frau im Mond
dtv (2017)

Als diese Geschichte 2009 als Taschenbuch heraus kam, hat es mich als Abschieds- und Neuanfangsgeschenk auf meiner Umzugsreise nach Sardinien begleitet. In der Schlange vor der Fähre in Genua begann ich zu lesen. Glücklicherweise hatte ich dann die ganze Überfahrt vor mir, um es nicht ein einziges Mal aus der Hand legen zu müssen!
Eine Enkelin erzählt rückblickend die Geschichte ihrer Großmutter, die Zeit ihres Lebens auf der Suche nach der großen Liebe war. Von ihrer Familie für verrückt erklärt – in den 1940er-Jahren gab es im sardischen Hinterland oftmals wenig Verständnis für große Gefühle – wurde sie ohne ihren Willen nach Cagliari verheiratet. Sie ließ sich nicht unterkriegen und fand einen Weg, ihre Sehnsucht nicht zu verraten und sie bis ins hohe Alter tagtäglich zu leben. Ein wunderschönes Buch, das inzwischen auch verfilmt wurde. Kleiner Wehmutstropfen dabei: Die Handlung wurde von den Regisseuren nach Frankreich verlegt…

 

PadrePadrone9783423131216Pflichtlektüre:

Gavino Ledda, Padre Padrone (Teil 2: „Die Sprache der Sichel“ ist leider vergriffen)
dtv (2003)

Die beiden autobiographischen Romane von Gavino Ledda erzählen auf sehr ehrliche Art und Weise die Geschichte eines sardischen Hirtenjungen. Wie viele andere Kinder seiner Zeit musste auch er sich den Zugang zu Bildung und einem anderen Lebensweg hart erkämpfen. Und doch kehrte er nach Militärdienst und Studium auf dem Festland – wie die meisten – wieder zurück nach Sardinien. Seiner Heimat setzte er mit den beiden Büchern ein Denkmal, das nicht von allen Sarden gern gesehen und akzeptiert wird. Absolut lesenswert!

 

SorigaLieblingsbuch:

Sardinia Blues
Flavio Soriga (Italienisch / Bompiani 2008)

Sehr schade: Sorigas Bücher sind entweder nicht ins Deutsche übersetzt oder derzeit nicht lieferbar (Der schwarze Regen und Die Liebe in London und anderswo). Dabei bringt er wie kein anderer das Lebensgefühl der jungen Sarden rüber, ihre innere Zerissenheit, ihr Hadern zwischen Weggehen und bleiben und die Liebe zu ihrer Insel und ihrer Heimat. Im Moment sind leider keine Neuauflagen und keine weiteren Übersetzungen geplant. Eine kleine Kostprobe aus „Sardinia Blues“ gibts im Wagenbach Literatur-Band (siehe oben).

 

Nobelpreisträgerin:

Grazia Deledda
Ihre erste Kurzgeschichte veröffentlichte sie mit 13 Jahren. Seitdem wurde Grazia Deledda, große Autorin Sardiniens, nicht müde, das harte und oftmals mühsame, von Konventionen gepräte Leben auf ihrer Insel zu beschreiben. Selbst wuchs sie in wohlhabenden Verhältnissen und in einer Art „goldenem Käfig“ auf. Über die Besuche von Verwandten und Bekannten der Eltern und deren Erzählungen war sie dem Leben draußen aber eng verbunden und nährte so ihre Phantasie für die Romanfiguren, die sie schuf. Für ihr umfangreiches Werk wurde sie 1926 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Wenigstens eines ihrer Bücher sollte man gelesen haben, will man Sardinien verstehen. Denn auch heute noch fühlt man sich in vielen Dörfern oder beim Durchqueren einsamer, ländliche geprägter Landstriche plötzlich mitten drin in einer ihrer Geschichten.

Seltsamerweise hat sich kein großes deutsches Verlagshaus ihrer Werke angenommen. Viele Bücher sind in deutscher Sprache vergriffen. Dafür gibt es seit Neuestem zahlreiche Romane in eBook-Format. Ihr bekanntestes Buch ist „Schilf im Wind“, das als einziges in Buch-Form vorhanden ist.

Tipp: Besonders ans Herz legen kann ich allen Nuoro-Besuchern das kleine, wirklich toll konzipierte Museum im Geburtshaus der Dichterin. Auch hier wird man noch einmal förmlich in die damalige Zeit hinein gesogen und kann sich plötzlich noch besser vorstellen wie Deledda dort ihre Romane geschaffen hat.

 

Ungewöhnlich:

Michela Murgia, Chirú
Wagenbach (2017)

Sechs Jahre nach ihrem großen Erfolg „Accabadora“ erschien im Frühjahr 2017 der lang erwartete Folgeroman von Michela Murgia. War „Accabadora“ ein zutiefst sardisches, im Sardinien der 50er-Jahre angesiedeltes Buch, so hat die Handlung von „Chirú“ mit Sardinien eher wenig zu tun. Zentrales Thema ist die zarte Liebesbeziehung zwischen dem 18-jährigen Chirú, der davon träumt, Musiker zu werden, und seiner Lehrerin, der 38-jährigen erfolgreichen Schauspielerin Eleonora. Die beiden Hauptpersonen, die sich in Cagliari über den Weg laufen und bald schon nicht mehr ohne einander auskommen, verstricken sich in eine Beziehung zwischen Lehrerin und Schüler oder Adoptivmutter und Adoptivsohn, die sich permanent umkehrt. Am Ende ist nicht nie wirklich klar, wer eigentlich wen führt in dieser von gegenseitiger Anziehungskraft geprägten ungewöhnlichen Verbindung.
Fazit: Ein etwas verstörendes Buch, das durch seine fein gezeichneten Charaktere besticht, die den Leser dank Michela Murgias besonders ausdrucksvoller Sprache tief in diese Geschichte hinein ziehen.


Reiseführer

Cover_Sardinien-U1xDer Klassiker:

Sardinien
Eberhard Fohrer, Michael Müller Verlag (2016)

Mit diesem Reiseführer war ich 1989 das erste Mal hier auf Sardinien. Seitdem bin ich ihm treu geblieben und mag zum einen seine für mich sehr logische Gliederung in einzelne Gebiete, die gezeichneten Detailkarten zu jeder Region und die ziemlich umfassende Information zu Sehenswürdigkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten und Ausgehtipps vor Ort. Wer ganz Sardinien bereist, ist mit diesem „Standardwerk“ sicherlich gut unterwegs.

 

 

 

Sardinien Marco PoloDer Kompakte:

Sardinien
Hans Bausenhardt, Marco Polo Verlag (2016)

Kaum zu glauben, was in diesem handlichen, kleinen Reiseführer alles drin steckt. In Hintergrundberichten erfährt man auf den Punkt gebracht wirklich alles über sardische Geschichte und Lebensart. Ebenso gut erfassbar lesen sich die kompakt auf einer Doppelseite untergebrachten Kapitel über tolle Orte, Alternativangebote bei Regen, Ferien mit Kindern und weitere hilfreiche Tipps für jeden Geschmack. Bewährt gut: das übersichtliche Kartenmaterial in mehreren Größe und Ausschnitten. Besonders gelungen finde ich die komplette Neugestaltung des Pocket-Führers, der dadurch noch ansprechender geworden ist.

 

merian-08-12-sardinien_aZum Blättern und Schmökern:

Merian Sardinien
Travel House Media, Jahresezeitenverlag (2012)

Das Schöne an den Merian-Heften ist doch immer, dass man darin so herrlich blättern und sich mit dieser gelungenen Mischung aus wunderschönen großformatigen Fotos und in die Tiefe gehenden Texten so wunderbar eintauchen kann in die Besonderheiten seines Reiseziels. In der aktuellen Sardinien-Ausgabe – insgesamt gibt es inzwischen 4 Hefte, die zwischen 1972 und 2012 erschienen sind – wird die Ogliastra bezeichnenderweise als Strandschönheit und Wanderparadies erwähnt. Daneben gibt’s wieder viele tolle Reportagen, die den sardischen Lebensnerv so gut treffen, dass sie quasi auch auf andere Orte der Insel übertragbar sind und einfach Lust machen, all das nicht nur auf Hochglanz, sondern live zu erleben. Deshalb: Das Merian-Heft Sardinien (egal, welcher Jahrgang) gehört für mich auf jeden Fall ins Reisegepäck und in die Strandtasche!

 

Ein Reiseführer der anderen Art:

Sa Sardigna – Das Reisebuch aus Sardinien
edizione pecora nera (2017)

Bloggerin Nicole Raukamp bewegt sich schon seit vielen Jahren auf der Insel und sammelt ihre Eindrücke und Tipps auf der Website von pecora-nera.eu.
Nun ist daraus und darüber hinaus der wundervolle „schwarzschafige“ Reiseführer Sa Sardigna entstanden. Der Autorin ist es nicht nur gelungen, den Zauber der Insel einzufangen und in Worte zu kleiden. Sie ermutigt den Leser auch immer wieder vorsichtig, die Insel auf eigene Faust zu erkunden und sich dafür vor allem die Nebensaison und Routen abseits ausgetretener Touristenpfade zu auszusuchen.

 


Wanderführer

RotherDer Bewährte:

Rother Wanderführer Sardinien
Walter Iwersen und Elisabeth van de Wetering, Roter Bergverlag (2016)

Lange Zeit der Einzige seiner Art und deshalb weit verbreitet und hoch geschätzt bei aktiven Sardinien-Reisenden. In der aktuellen Ausgabe werden 63 Touren auf der ganzen Insel beschrieben, die meisten im Wanderparadies in der Mitte der Ostküste zwischen Dorgali und Santa Maria Navarrese. Für alle Wanderungen stehen GPS-Daten zur Verfügung. Außerdem enthält der Führer zahlreiche hilfreiche Tipps rund ums Wandern auf Sardinien, so auch ein „Sardisch-Italienisch-Deutsches Lexikon für Wanderer“.

 

Cover_Sardinien-MM-Wandern_2014xEbenfalls sehr gut:

MM-Wandern Sardinien
Sandra Lietze, Michael Müller Verlag (2015)

Mit 35 Touren ist dieser Wanderführer zwar etwas weniger umfangreich als der „Rother“, umfasst aber trotzdem die wichtigsten und schönsten Touren in der Ogliastra und im restlichen Sardinien. Mir persönlich gefällt die grafische Aufmachung und die übersichtliche Gestaltung sehr gut. Viele Zusatzinfos zum Wandern allgemein, zur Tourplanung und zum Wandergebiet sowie GPS-Daten ergänzen die sorgfältig ausgewählten und beschriebenen Strecken. Einige Wanderungen überschneiden sich in diesen beiden Standardführern, so dass man sich je nach Wanderambition für einen von beiden entscheiden kann. Autorin Sandra Lietze wohnt in Urzulei und bietet gemeinsam mit ihrem Partner auch geführte Touren in der Ogliastra an: www.gorropu.com.

 

 
9783944378039_SardinienFür Familien:

Sardinien mit Kindern – 42 Wander- und Entdeckertouren für Familien
Stefanie Holtkamp, Natrurzeit Reiseverlag (2015)

Für mich persönlich die Neuentdeckung in diesem Jahr. Ein erfrischend anderes Konzept für einen Reise- und Wanderführer, der zum einen wirklich auf die Bedürfnisse von Eltern mit Kindern zugeschnitten ist, zum anderen aber auch für alle anderen Sardinien-Reisenden wertvolle Infos und tolle Touren-Ideen liefert. Dazu gibts viel Hintergrundwissen zu Land und Leuten, hilfreiche Tipps zum Wandern auf Sardinien allgemein und insbesondere zum Wandern mit Kindern. Ein Buch, das tatsächlich die Entdeckerlust weckt. Und ein Buch zum richtig schön Schmökern.
Zusätzliche Infos zum Buch gibt es hier und Updates zu den Touren findet man hier.

 

 


Sonstige

MTBFuehrerFür MTB-Freaks:

Mountainbiken auf Sardinien – 77 Touren zwischen Meer und Bergen
P. Herold / A. Cardia / D. Deidda / C. Pitzalis, Versante Sud (2016)

Die meisten der 77 Touren sind in der Ogliastra und rund um Lotzorai angesiedelt, wo Peter Herold über zehn Jahre lang ein Bed & Breakfast betrieb. Als begeisterter Radsportler hat er zusammen mit den drei anderen Autoren spektakuläre Touren für MTB-Fahrer erschlossen, beschrieben und mit GPS-Daten ausgestattet. Der beste Führer seiner Art für MTB-Urlauber auf Sardinien. Zu beziehen ist das umfangreiche Werk direkt über den Verlag oder über die Website www.klettern-shop.de.

 


Eine Anmerkung

Ich selbst bin großer Fan von „buy local“. Deshalb: Geh in den nächsten Buchladen und hole oder bestelle dir dort und vor Ort das Buch deiner Wünsche. Zumeist bekommst du es innerhalb eines Werktages.

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