Kein Zuckerschlecken: Reiterleben auf der Insel

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Bantu_NomiDas nervt!

5 Dinge, die du prüfen solltest, bevor du mit deinem Pferd in den Süden abhaust

Ich weiß, ich weiß: Süden ist da wo es schön ist. So steht es auf Postkarten und dagegen ist grundsätzlich auch nichts einzuwenden. Wären da nicht die Pferde….

 

Nach allen Lobeshymnen auf meine wunderschöne Insel muss ich heute tatsächlich mal Dampf ablassen. Man könnte es auch „Leiden auf hohem Niveau“ nennen. Immerhin lebe ich mit meinen Pferden an einem herrlichen Ort mit ganzjährig sommerlichen Temperaturen – Dauerregen und Frostbeulen Fehlanzeige. Aber bekanntlich hat ja jede Medaille auch ihre Kehrseite. Und deshalb erfährst du heute, was mir als Pferdehalterin und Reiterin auf Sardinien oft den letzten Nerv raubt. Hier kann man nämlich gar nicht so toll reiten wie sich das alle immer vorstellen. Und für die Pferde ist das wunderbare Klima im Mittelmeerraum auch nicht unbedingt so ideal. Jetzt ist es raus! Weil Jammern aber noch nie weiter geholfen hat, sage ich dir auch gleich, wie ich inzwischen damit umgehe und welche Lösungen ich für mich gefunden habe.

 

Auf diese 5 Dinge könnte ich als Pferdehalterin auf Sardinien wirklich verzichten:

 

Trockenheit1   Trockenheit

Seit einigen Jahren regnet es nicht mal mehr in den Wintermonaten richtig. Nachts träume ich von grünen Weiden und Pferden, die im hohen Gras stehen. Stattdessen ist alles vertrocknete, staubig und gelb-braun gefärbt. Vor allem in den heißen Sommermonaten fehlen mir schattige Wälder zum Reiten, denn ab 9 Uhr und bis 21 Uhr abends kommen nicht mal die Verrücktesten auf die Idee, ihr Pferd aus dem Stall zu ziehen und sich der gleißenden Sonne auszusetzen. Erschwerend kommt hinzu, dass der ausbleibende Regen zumindest bei uns in der Ogliastra zuweilen Futterknappheit verursacht und die Preise für einen Ballen Haferstroh auf über 5 Euro gestiegen sind – wenn man überhaupt noch rechtzeitig welches ergattert.

BewässerungWAS TUN?

Wasser marsch: Glücklicherweise haben wir ganz in der Nähe einen großen Stausee und somit immer genug Wasser zum Bewässern. Wir sind jetzt also dabei, überall Schläuche zu legen und Wasserspritzen aufzustellen.
Morgenstund hat Gold im Mund: Im Sommer stehe ich spätestens um 5 Uhr auf, wenn ich reiten möchte. Dann ist es noch herrlich frisch und duftet wunderbar nach Macchia und Meer. Wenn dann noch der rote Sonnenball hinter den Inseln aus dem Wasser aufsteigt, ist der Tag mein Freund.
Selbst ist die Frau: Mein „Heu“ (=Haferstroh) stellen wir auf unserem Grundstück selbst her. So sind wir einigermaßen auf der sicheren Seite und preisunabhängig. Allerdings ist unser Ertrag auf Grund des Wassermangels von anfangs 150 Ballen auf unter 100 geschrumpft.

 

Hufe2   Harter Boden

Die Trockenheit bringt natürlich mit sich, dass der Boden hart wird wie Asphalt. Das bedeutet für mich: Schritt reiten bis zum Abwinken. Da wird dann selbst der Ausritt inmitten atemberaubender Naturkulisse irgendwann gähnend langweilig. Galopp? Was war das nochmal?! Auch auf meinem kleinen Reitplatz und rund um den Stall im Paddock ist es kaum möglich, den Boden weich zu halten. Und die Hufe nutzen sich so stark ab, dass sich die Pferde die Beine in den Bauch stehen.

EisenWAS TUN?

Ohne Beschlag geht nix: Seit diesem Sommer hat mein Pferd wieder Eisen. Das war zwar ein Entscheidungsschritt für mich als Barhuf-Fan und Hufschuh-Nutzerin. Als ich endlich von einem geeigneten Hufschmied erfuhr, zögerte ich dennoch keine Sekunde. Mein Pferd ging inzwischen schon mit Hufschuhen klamm und ich möchte mein Pferd schließlich reiten und nicht nur pflegen.
Anpassung gefragt: Inzwischen trabe ich auch auf Streckenabschnitten, die ich früher (Zugegeben, mein altes Reitgelände mit kilometerlangen weichen Wiesenwegen hat mich etwas verwöhnt!) für höhere Gangarten nicht mal in Betracht gezogen hätte.
Träumen darf man: Einen kleinen Reitplatz habe ich mir ja schon gebaut. Der ist im Winter einigermaßen bereitbar. Mein Ziel ist es, diesen mit einem richtigen Belag auszustatten, so dass ich ihn auch im Sommer nutzen kann.

 

Asphalt23   Keine Wege

Als ich neu hier war, dachte ich noch: Wir kommen überall durch. Es gibt keinen eingezeichneten Weg, den ich mit meinem Pferd nicht gehen kann. Das war vielleicht in Deutschland so. Auf Sardinien sieht das definitiv anders aus. Dank meiner eigenen Sturheit habe ich uns zu Beginn in wirklich gefährliche Situationen gebracht und kann nur von Glück sagen, dass ich so erfahrene und bedachte Pferde habe und deshalb nichts passiert ist. Seitdem bin ich vorsichtiger geworden. Fakt ist, dass es kein richtiges Wegenetz gibt, dass kein oder nur schlechtes Kartenmaterial vorhanden ist, dass Wege nicht gepflegt werden, dass viele Wege nur Zufahrten zu Privatgrundstücken sind und deshalb meist enden, dass nach Möglichkeit alles asphaltiert und geschottert wird, weil ohnehin nur Fahrzeuge unterwegs sind, dass alle wild einzäunen und alles irgendwie privat ist und dass kleine Pfade fast immer zuwachsen – und zwar so dicht und dornig, dass man schweres Gerät benötigt, um den Weg wieder frei zu bekommen.

 

BergeWAS TUN?

Wehret den Anfängen: Manchmal machen wir uns zu Fuß und „bewaffnet“ mit Machete und Beil auf den Weg, um die wenigen Reitwege, die mir zur Verfügung stehen, frei zu schlagen.
Mut zur Lücke: Ich gebe nicht auf und erkunde immer wieder neue Wege, finde Durchgänge, nutze die Pfade der Schafherden, bastle mir meine eigenen Rundtouren, reite über Privatgrundstücke und frage natürlich um Erlaubnis, wenn ich jemals jemanden treffe – klar!

 

 

 

4   Pferdige Infrastruktur: mangelhaft

Sardinien wird ja gerne auch als “Pferdeinsel“ gehandelt und Pferde begegnen einem hier auch immer wieder und überall. Aber irgendwie scheinen alle diese Pferde und Reiter von Luft und Liebe zu leben. Denn gut sortierte Reiterläden, Futtermittel für Pferde, bezahlbare Pferdeartikel, fähige Hufschmiede, spezialisierte Pferdetierärzte oder gar gute Reitlehrer und ebensolchen Unterricht sucht man wie die Nadel im Heuhaufen. Das mag vielleicht bei uns in der Ecke besonders extrem sein, da der Pferdesport hier kulturell nicht verankert ist. Ich vermisse aber auch auf dem Rest der Insel „reiterliches Leben“ in Form von alternativen Breitensportveranstaltungen, Kursangeboten oder sonstigen Zusammenschlüssen und Initiativen. Es gibt kein Austausch, keine Gleichgesinnten und jeder kocht sein eigenes Süppchen.

MarstallWAS TUN?

Weiterbildung muss sein: Zukünftig lasse ich mir meine Reitlehrer einfach einfliegen! Scherz bei Seite. Ich möchte ab sofort Reitunterricht im Tausch gegen eine Ferienunterkunft organisieren.
Importware: Die meiste Ausrüstung oder auch Zusatzfutter (z.B. Mineralfutter) und Pflegeprodukte (z.B. Insektenschutzmittel, Ekzemdecken und Fliegenhauben) bringe ich aus Deutschland mit.
Allein machts keinen Spaß: Ich versuche gerade, eine Art Haltergemeinschaften aufzubauen und hoffe so auf mehr reiterliches Sozialleben.

 

 

Strand5   Und wie war das mit dem Strand-Galopp???

Wir habe hier zwar einen wirklich wunderbaren, kilometerlangen Sandstrand vor der Haustüre. Abgesehen davon, dass das Reiten am Strand grundsätzlich verboten ist – was man zumindest in der Nebensaison aber locker vernachlässigen kann – ist der Sand so tief, dass ich meine Pferde dort niemals im Trab oder Galopp reiten würde.

 

 

WAS TUN?

Einen Gang runter schalten: Tatsächlich ist auch ein Strand-Ritt im Schritt ein herrliches Erlebnis, das ich mir in den Wintermonaten gerne gönne.
Luftveränderung tut immer gut: Damit auch ich endlich mal zu meinem Strand-Galopp komme, habe ich eine Woche Isi-Urlaub auf Spiekeroog gebucht. Sowas nennt man doch Insel-Hopping, oder?! In diesem Fall vom Mittelmeer an die Nordsee!

 

Asphalt1Aaaaalso…

Wenn du dich beim nächsten verregneten Sommerausritt mitten im August oder spätestens im Winter mit halb abgefrorenen Fingern und dank Zwiebel-Technik als Michelin-Männchen zur Unbeweglichkeit auf dem Pferd verdammt in den Süden sehnst, dann prüfe gut und bedenke reichlich! Hier eine kleine Checkliste, die dich dabei unterstützen kann:

 

 

 

  • Gibt es am Ort deiner Träume genug Wasser? Wie kommt das Wasser zu den Pferden und auf eventuelle Weiden?
  • Wie sieht es mit dem Grundfutter aus? Was gibt es in der Gegend und was füttern die anderen? Wo bekommen die ihr Futter in welcher Qualität und zu welchen Preisen her? Gibt es vielleicht sogar richtiges Heu? Was gibt’s im Futterhandel als Zusatzfutter?
  • Wie sind die Bodenverhältnisse im Gelände? Steht alternativ ein Reitplatz mit ordentlichem Belag zur Verfügung?
  • Kenne ich jemanden, der mir einen guten Hufschmied empfehlen kann?
  • Wie ist das Ausreitgelände rund um den Stall? Gibt es Kartenmaterial von der Gegend? Wanderwege? MTB-Strecken? (Ich weiß, auf denen darf man offiziell nicht reiten…)
  • Suche dir vorab Pferde-Connections vor Ort und versuche so an Infos zu kommen: Wie siehts dort aus in Sachen Ausrüstung, Spezialfutter, Raufutter, Tierarzt und Hufschmied, Reitställe, Reitlehrer, Gleichgesinnte…?
  • Was benötigst du diesbezüglich für dein persönliches Reiterglück und das Glück deines Pferdes?

 

FressenEine Frage habe ich noch:

Mit welchen widrigen Umständen kämpfst du in deinem Pferdealltag?
Lass es mich unten im Kommentarfeld wissen! Irgendwie sitzen wir doch alle im selben Boot. Und das tut zuweilen wirklich gut!

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Antwort

  1. Hallo an alle! Heute habe ich einen für mich sehr aufschlussreichen und beruhigenden Artikel zum Thema HAFERSTROH-FÜTTERUNG gelesen, den ich nun hier als Ergänzung zu meinem Text oben unbedingt „ablegen“ muss. Als ich mit meinen Pferden in den Süden Europas umgesiedelt bin, konnte ich kaum glauben, dass die Tiere hier nur Haferstroh und kein Heu mehr bekommen sollten. Glücklicherweise wusste ich von meiner Freundin aus Spanien schon, dass es dort oftmals ebenso läuft. Diesen Beitrag zum Thema fand ich deshalb heute sehr interessant: https://www.dr-susanne-weyrauch.de/gesundheit/stroh-wichtige-komponente-einer-gesunden-pferdeern%C3%A4hrung

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