Schlechtes Wetter auf Sardinien – gibt’s das?

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Es regnet!  Und wie! 
Was nun?!?

Kannst du uns mal ein paar Tipps geben?!
Was kann man denn hier bei diesem Wetter machen?

 

Verzweifelte Anfragen dieser Art erreichten mich bereits im Frühjahr.
Spätestens im August war mir klar: Hier solltest du dir mir mal ein paar Gedanken machen.
Denn der Regen wollte gar nicht mehr aufhören. Und auch die Fragen nach Alternativen für Schlechtwettertage nahmen kein Ende.

Während ich diese Zeilen schreibe, regnet es draußen mal wieder. Nach Jahren zunehmender und beängstigender Trochenheit in Sardinien gibt es seit April Regen satt. Die Natur freut sich über das wohltuende Nass. Die Bäche und Flüsse fließen, Seen und Wasserspeicher sind gefüllt, alles ist grün. Wann hatte es jemals einen August mit so üppiger Vegetation gegeben?! Und einen Sommer ohne schlimme Brandkatastrophen? Ganz persönlich freue mich natürlich über das viele Gras auf meinen Weiden. Wunderbar.

Weniger wunderbar war und ist der viele Regen natürlich für alle Überschwemmungsopfer, für die Landwirtschaft und nicht zuletzt für die Tourismusbranche und die Urlauber, die „ihr“ Sardinien in diesem Jahr oftmals kaum wiedererkannten. Vielen hat es die Pfingsferien komplett verregnet. Aber die große „Katastrophe“ war natürlich das schlechte Wetter in der Lieblingsferienzeit aller Italiener, im August: Sowas hatte noch niemand jemals erlebt. Da waren sich alle einig und reisten erzürnt vorzeitig ab. Danach ging es dann erst so richtig los mit dem Regen…

Unschwer zu erraten, welche Frage mir in dieser Saison besonders häufig gestellt wurde:

Was können wir hier denn bei Regen unternehmen?

Hier ist eigentlich niemand so richtig auf solches Wetter eingestellt. Und auch die Urlauber waren ziemlich vor den Kopf gestoßen. Wer an der Nordsee Ferien macht, fährt bestimmt nicht ohne Regenzeug los. Aber wer reist schon mit Gummistiefeln nach Sardinien oder packt im Sommerurlaub die Matschhose für die Kleinen ins Gepäck?

Jedenfalls stand damit das Thema für meinen nächsten Blogpost fest:

Was tun in der Ogliastra, wenn es wirklich Katzen hagelt und ein kräftiger Wind jeden Gedanken an Strandspaziergang vertreibt?!

 

Auf die Gefahr hin, dass wir eine Saison wie die zurückliegende unter Umständen erst wieder in 50 Jahren erleben werden, hier also meine kleine Sammlung für Schlechtwetter taugliche Aktivitäten, die dir beim nächsten Tief über der Ogliastra hoffentlich aus der Patsche helfen können:

 

Genussprogramm:
Wellness mit oder ohne Wandern

Bei Grau in Grau und Dauerniesel sehnt man sich doch vor allem die wohlige Wärme der Sonnenstrahlen herbei. Ersetzen kann man die nicht. Aber nicht allzu weit von der Küste entfernt, eingebettet im dichten Wald, liegt oberhalb von Villagrande Strisaili eine nette kleine Hotelanlage mit Wellness-Bereich. Wer also die Faxen richtig dicke hat vom Regen, bucht dort eines der Paketangebote, mietet sich eventuell sogar bereits am Vorabend ein und lässt sich zwei Tage lang so richtig verwöhnen – ohne auch nur einen Schritt vor die Türe zu machen. Hart gesottene ziehen sich die Regenkleidung über, wandern durch den Santa Barbara Wald hinauf zum Monte Idolo (siehe Wanderung Nr. 32 im Rother Reiseführer) und steigen erst danach – weil es dann umso schöner ist! – im Hotel Orlando zum Wellness-Genuss ab.

Anmeldung und Reserierung notwendig. Geöffnet von April bis Oktober. Preise und Informationen: Hotel Orlando

Auch das Arbatax Park Resort in Tortolì verfügt über ein Centro Benessere/SPA. Im Moment wird renoviert. Ab Frühjahr 2019 kannst du als externer Gast auch dort wieder den ein oder anderen verregneten Urlaubstag ganz entspannt an dir vorüber ziehen lassen.
Info und Preise: Centro Benessere Bellavista

 

Von Ziegen, Pilzen und Culurgiones:
ab in den Stall oder ins Gewächshaus

Für Gruppen ab rund zehn Personen gibt es die Möglichkeit einen halben Tag lang ins sardische Landleben einzutauchen und dabei typisch regionale Produkte kennenzulernen. Wahlweise kann man den Ziegenhof von Mariangela besuchen, ihr beim Melken der rund 40 Milchziegen über die Schulter schauen, ihr Fragen rund um die Ziegenhaltung und Milchverarbeitung stellen und danach frischen „Casu Agedu“, Ricotta und Hartkäse verkosten. Oder ihr besucht Monica auf ihrer Pilzfarm mit Streichelzoo, lasst euch dort den Betrieb zeigen und und im Anschluss einen kleinen Snack servieren. Bei Monica könnt ihr zum Beispiel auch einen Culurgiones-Workshop buchen und euch zeigen lassen, wie man diese sardische Teigware auf ogliastriner Art von Hand herstellt. Besonders geeignet sind diese Angebote natürlich für Familien mit Kindern, die sich über die vielen Tiere zum Anschauen und Streicheln freuen. Sprecht euch ab, sucht auf dem Campingplatz nach anderen interessierten Personen/Familien und wendet euch zur Buchung gerne an mich.

 

Geländewagen-Tour:
bei Regen unterwegs rund um Oliena

Manche Erlebnisse schenkt einem die Natur ausschließlich bei schlechtem Wetter: Nur nach lang anhaltenden Regenfällen ist zum Beispiel das Schauspiel vor der Höhle „Sa Oche“ im Lanaittu-Tal zu bewundern. Sie spukt dann nämlich, gespeist von einem unterirdischen Fluss, große Wassermassen aus. Fabrizio von „Sardegnanascosta“ nimmt dich nicht nur dorthin mit, sondern zeigt dir auch noch andere „versteckte“ Orte im Landesinneren, die du wahrscheinlich ohne ihn niemals finden oder erreichen würdest. Er ist einer von zahlreichen lokalen Guides, die ihre Gäste mitnehmen auf eine Entdeckungsreise in ihr ganz persönliches Territorium, das sie schon seit Kindheitstagen durchstreifen und deshalb wie ihre Westentasche kennen. Wer nicht nur Meer und Strand sehen möchte, tut grundsätzlich gut daran, sich einem dieser „Locals“ anzuschließen, um sich ein wenig vom wahren Sardinien erzählen zu lassen. Während viele andere aber bei den ersten Regentropfen ihre Aktivitäten einstellen, startet Fabrizio – und das fiel mir dieses Jahr sehr positiv auf – auch bei Schlechtwetter: Er hat erlebnisreiche ganztägige Touren ausgearbeitet, die auch bei Niederschlag problemlos und ohne Gefahr organisiert werden können: Mit Allradfahrzeugen geht es ins sardische Outback, zu Naturdenkmälern, alten Ausgrabungsstätten oder auch ins Murales-Dorf Orgosolo. Mit im Programm immer entweder ein typisch sardisches Picknick, ein Hirtenessen in traditionellem Ambiente oder ein Menü im Agriturismo. Einzelpersonen werden nach Möglichkeit in Gruppen integriert, ab zehn Personen kann man sich sein Programm auf Wunsch zusammenstellen lassen. Preis zwischen 35 und 55 Euro pro Person (ohne Essen).
Detaillierte Infos: Sardegna Nascosta. Anfragen direkt dort oder über mich.

 

Wildes Hinterland:
Was du schon immer über den sardischen Karnevalsbrauch wissen wolltest

Wo geht man bei Regen hin? Natürlich ins Museum! Ein besonders schönes und quasi ein MUSS für jeden Sardinienurlauber ist das Maskenmuseum in Mamoiada, dem Heimatdorf der mittlerweile weltweit bekannten Mamuthones: den furchteregenden mit Schaffellen und Glocken behangenen maskierten Karnevalsgestalten, die mit wildem Geläute durch die Gassen ziehen. Zusammen mit den Issohadores sind sie fester Bestandteil des Brauchtums in der Barbagia und n alter Tradition in der Lage, den Ausgang der Ernte zu bestimmen. Eindrucksvoll veranschaulicht die Ausstellung alles rund um die Figuren und Masken aus Mamoiada und stellt außerdem Verbindungen her zum Karnevalsbrauch im ganzen Mittelmeerraum. Absolut sehenswert und sehr interessant, wie ich finde. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eine Maskenwertstatt zu besuchen und die Original-Kostüme der Mamuthones aus Mamoiada zu besichtigen.

Das Museum ist ganzjährig geöffnet. Familien bezahlen grundsätzlich nur für ein Kind. Außerdem bietet das Museum in Zusammenarbeit mit dem Aquarium in Cala Gonone (siehe weiter unten) und dem nahe gelegenen Museum für Moderne Kunst „Museo Nivola“ in Orani ermäßigte Kombi-Karten an.
Infos dazu und zum Maskenmuseum: Museo delle Maschere

 

Buch-Vorräte aufstocken und lesen
bis der Regen vorbei ist

Der Regen trommelt gegen die Fensterscheiben oder aufs Zeltdach. Wege und Straßen haben sich längst in Bäche und Seen verwandelt. Dazu pfeift ein unangenehmer Wind und das Meer tobt. In diesem Fall gibt es nur eines: Bücher raus und lesen! Wer im Zweimann-Iglu unterwegs ist, sucht sich am besten die nächste heimelige Bar (ich weiß nicht, wie viele Stunden ich bei früheren Sardinienurlauben lesend in einer Bar verbracht habe bis Schauer oder Regen vorüber gezogen waren!). Ferienhausgäste ziehen sich die Decke über den Kopf oder kuscheln sich aufs Sofa.
Was aber, wenn der Lesestoff ausgeht?!
Da gibt es glücklicherweise mehrere Lösungen:
1. In der Bücherei von Lotzorai können sich auch Urlauber mit Büchern eindecken. Es gibt dort deutschsprachige Ausgaben und in den Sommermonaten unterhält die Bibliothek sogar eine Außenstelle in einem kleinen Holzhäuschen in der Pineta direkt am Hausstrand „Is Orrosas“. Wenn dicke Wolken am Horizont auftauchen, kannst du dich dort rechtzeitig mit Romanen und Krimis versorgen.
2. In Tortolì gibt es einen wunderbaren, gut sortierten Buchladen, der ebenfalls fremdsprachige Bände führt. Du findest die „Libreria del Corso“ in der Einbahnstraße Via Umberto 44 in Fahrtrichtung auf der rechten Seite. Direkt gegenüber ist übrigens das schnuckelige Kino Garibaldi mit einem sehr hübsch gestalteten kleinen Saal, dazu weiche rote Polstersessel: Warum bei Regen nicht mal einen Film auf Italienisch ansehen?!
3. Unter Vorbehalt, aber du kannst ja einfach mal nett im Hafenbüro nachfragen (man spricht Deutsch): Im Waschraum des Hafens von Santa Maria Navarrese wird eine kleine Büchertauschbörse unterhalten. Das heißt, du kannst dort fertig gelesene Bücher hinbringen und neue mitnehmen.

 

Seltenes Spektakel:
die Wasserfälle von Ulassai

Sollte es tagelang richtig kräftig regnen, hat das einen ganz entscheidenden Vorteil: Du kommst in den Genuss, den Wasserfall von Lequarci bewundern zu können. Nach starken Regenfällen stürzen dort gewaltige Wassermassen von der Hochebene über eine scharfe Kante hinunter ins Tal. Wirklich beeindruckend. Die letzten Jahre war dieses Spektakel mit viel Glück vielleicht einmal im Jahr in den Wintermonaten zu bewundern. 2018 hatten wir gleich mehrmals die Ehre – und das auch noch mitten im Sommer. Also, bei lang anhaltendem Regen hinauf nach Ulassai fahren, den Ort durchqueren und der Beschilderung Richtung „Cascate Lequarci“ oder „Chiesa S. Barbara“ folgen und so lange der Kurvenstraße folgen bis du vor der Brücke ankommst, unter der die Wassermassen ins Tal brausen.
Einen kleineren, ebenso schönen und eindrucksvollen Wasserfall gibt es außerdem links der Auffahrt zur Höhle „Su Marmuri“, die du danach bei einer einstündigen Führung besichtigen kannst. Sollte es weiterhin regnen, lässt du dich im angeschlossenen Restaurant „Su Bullicciu“ verköstigen oder machst noch einen Abstecher ins kleine, feine Kunstmuseum „Stazione dell‘ Arte“. Aber Achtung: Ein Großteil der Kunstwerke gefinden sich „open air“ im Dorf und in der ganzen Umgebung. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Werke der Künstlerin Maria Lai hast du übrigens schon entlang der Straße auf dem Weg zum Lequarci-Wasserfall und hinauf zur Höhle gesehen.

Infos zur Höhle und zu den Museen: Höhle Su Marmuri  und Stazione dell’Arte

 

Bei Regen einfach abtauchen:
Aquarium in Cala Gonone

Wenn man bei schlechtem Wetter, Sturm und Wellen schon aufs Schwimmen und Schnorcheln im Meer verzichten muss, ist das die beste Gelegenheit, um sich der Unterwasserwelt trockenen Fußes anzunähern. Im sehr schön konzipierten Aquarium von Cala Gonone taucht man förmlich ein in die 25 großen Becken mit Meerestieren aus dem Mittelmeer, dem Amazonasgebiet und aus den Tropen. Seit das Aquarium 2016 eine Auszeichnung für besonders tierfreundliche Haltung bekommen hat, ist dort auch eine der seltenen Meeresschildkröten Caretta Caretta zuhause, die als Meeresmüll-Opfer gestrandet ist, aufgelesen wurde und auf Grund ihrer Erblindung nicht mehr ausgesetzt werden konnte.
Geöffnet ist das Acquarium von Mai bis Oktober. Infos zu genauen Öffnungszeiten und Preisen unter: Aquarium Cala Gonone (Nicht vergessen: Es gibt Ticketermäßigung für den Besuch des Maskenmuseums in Mamoiada und für das Museo Nivola in Orani!)

 

Stadtluft schnuppern:
Tagesausflug nach Nuoro

Für die Fahrt nach Nuoro sprechen bei Regenwetter gleich zwei Argumente: Zum einen liegt die Provinzhauptstadt hinter den Bergen, die die Ogliastra zum Landesinneren abriegeln, d.h. dort könnte schon wieder die Sonne scheinen. Außerdem gibt es in Nuoro zwei meiner Lieblingsmuseen: Das Geburtshaus von Literaturnobelpreisträgerin Grazia Deledda sowie das Museum für Moderne Kunst MAN in einem alten Stadtpalast, beide mitten im historischen Zentrum. Mit Regenschirm ausgerüstet lässt es sich prima durch das Bergstädtchen schlendern, Läden gucken und hier und da in einer Bar oder im Café wieder aufwärmen. Sehr hilfreich dabei ist die Nuoro-App. Sie wird regelmäßig aktualisiert und informiert sehr gut – bisher leider nur auf Italienisch, aber da kann man sich ja behelfen – über die Stadtgeschichte, Shoppingmöglichkeiten (insbesondere auch Kunsthandwerk und Handwerk), Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten, aber auch aktuelle Ausstellungen oder Konzerte. Du kannst dir die Nuoro-App über Google Play oder App Store kostenlos aufs Handy holen.

Infos zu den Museen unter: Museo MAN und Geburtshaus Grazia Deledda

 

Oder aber…

…du widmest dich schon jetzt im Urlaub den Bergen von gesammelten Muscheln, Treibholz und sonstigen Fundstücken und bastelst dir deine Reise-Souvenirs in diesem Jahr selbst.

Viel Spaß dabei!

 

 

 

 

2 Responses

  1. Heike Sauter

    Hallo Tine,
    wie immer sehr spannend und ich will nicht sagen, dass wir uns jetzt auf schlechtes Wetter im Urlaub freuen, aber man ahnt was einem entgeht, wenn immer die Sonne scheint. Sehr schön und liebevoll geschrieben. Danke. Drück dich
    Heike

    • tine

      Liebe Heike, vielen Dank für deine Rückmeldung. Genau das wollte ich mit meinem Blogpost bezwecken: Es geht nicht die Welt unter, wenn es regnet! 😉 Im Gegenteil! Gruß zurück
      Tine

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