Neuer Reiseführer!

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Moment mal: Da fehlt doch was?!

oder:

Die Insel auf der Insel

 

Ist das nun erfreulich oder erschreckend? Noch ringe ich ein wenig mit der Fassung, weiß nicht recht, ob ich innerlich „Hurra!“ schreien oder schmollen soll. Tatsache ist, es gibt einen nigelnagelneuen Reiseführer über Sardinien – liebevoll und hoch motiviert recherchiert, komplett überarbeitet, im frischen Redesign-Outfit aufgelegt – aber darin fehlt die Ogliastra.

Das gibt’s doch nicht?!

Nun ja, ich bin wohl doch eher und entsetzt als erfreut. Kann es möglich sein, dass die Provinzgrenzen weiterhin eine Art Bermudadreieck-Wirkung haben? Ist die alte Redewendung von der Ogliastra als Insel auf der Insel tatsächlich noch immer in diesem Umfang gültig?

Nach mehrmaligem Durchblättern des neuen Bandes und ungläubigem Durchstöbern von Inhaltsübersicht und Stichwortindex muss ich mich damit abfinden, dass hier tatsächlich ein Reiseführer vor mir liegt, der eine der schönsten Gegenden auf Sardinien einfach außen vor lässt.

Was nun?

Naja, gehen wir die die Sache mal von der positiven Seite an und beleuchten, was das für die Ogliastra bedeutet. Schmollen hat schließlich noch nie etwas gebracht.

 

Das finde ich gut am neuen Sardinien-Baedeker:

 

Großes Lob für den Titel mit den Eselnasen: Ich freue mich immer, wenn jemand Mut zeigt und nicht immer nur das Strand-Sardinien ins Bild rückt. Überhaupt gefällt mir die neue Aufmachung der Baedeker-Reihe und das klare Layout im Innenteil des Reiseführers ziemlich gut.

 

Sehr schön für einen Einstieg ins Thema „Sardinien“ und als Reisevorbereitung ist das Anfangskapitel „Das ist Sardinien“. Hier werden zehn Besonderheiten der Insel herausgegriffen und in wenigen Worten sehr treffend beschrieben. Wie im einleitenden Text beschrieben beantworten die „Hintergrundinformationen“ wirklich (fast) alle Fragen zu Sardiniens Geschichte. Und dann gibt es da noch die Rubriken „Überraschendes“ oder „Magische Momente“, die immer wieder im Buch aufpoppen und inspirieren. Das ist alles sehr liebevoll recherchiert und gut zusammengestellt.

 

Auch die Touren-Vorschläge überzeugen. Besonders gefällt mir Tour 4, die nicht nur den bekannten Teil der Westküste ab Bosa umfasst, sondern den noch immer wenig beachteten und besuchten Südwesten der Insel erkundet und schließlich in Cagliari endet.

(An dieser Stelle nun doch ein kleiner negativer Einwand:
Für wenig sinnvoll halte ich dagegen Tour 5 als Wandervorschlag. Die vorgestellte Route ist mit der spärlichen Beschreibung und ohne Detailkarte so sicherlich schwer zu finden. Hier gibt es, meiner Ansicht nach, besser geeignete Touren, die man sich am besten per separatem Wanderführer erschließt.)

 

Eine gute Idee ist, die Orte nach ihren Anfangsbuchstaben alphabetisch von A – Z aufzulisten,
um ein individuelle Reiseplanung zu unterstützen. Hilfreich ist in diesem Falle das übersichtliche Kartenmaterial im Buch. Wer noch nie auf der Sardinien war, kann sich so erst einmal auf der Insel orientieren und entscheiden, wohin die Reise überhaupt gehen soll.

 

Dafür ist der neue Sardinien-Baedeker wirklich gut zu gebrauchen:

 

Alle, die sich einen ersten Eindruck vom möglichen Urlaubsziel Sardinien verschaffen oder sich vor der Reise zuhause auf ihre (erste) Sardinienreise vorbereiten wollen, finden in diesem Reiseführer genügend Futter.

Ideal ist der Reiseführer auch für all jene, die mit etwas weniger Zeit auf die Insel kommen oder von einem festen Ferienort aus einzelne Spritztouren unternehmen möchten. Es werden zahlreiche empfehlenswerte Sehenswürdigkeiten, Orte und Aktivitäten vorgestellt, die nach Lust und Laune individuell zusammengestellt werden können.

Außer:

man landet gewollt oder zufälligerweise „in the middle of nowhere“ oder in der Mitte der Ostküste und hat nur den Baedeker an Bord…

 

Und das hat die Ogliastra vom neuen Sardinien-Baedeker:

 

Sie bleibt Entdeckerland!
Terra incognita. Ein weißer Fleck auf der Landkarte. Etwas für Leute, die im wahren Sinne des Wortes den Sprung ins Unbekannte wagen und sich abseits beschriebener Wege und Orte zu bewegen möchten.

Ist doch toll!

Aber bitte nicht enttäuscht sein, solltest du in der Ogliastra doch auf Anzeichen touristischer Erschließung stoßen… Der ein oder andere hat nämlich bereits entdeckt, dass man dort herrlich entspannt Strandurlaub machen und nebenbei auch noch prima wandern, radfahren, klettern, biken und sonstwie aktiv sein kann.

Das alles dank der wunderbaren Berge, die die Ogliastraküste wie eine Art Amphietheater umgeben. Früher galt die Gegend deshalb als Insel auf der Insel, denn sie war nur mühsam auf schwierigem Pfad zu erreichen – und zu verlassen. Auch später blieb die Region lange Zeit straßentechnisch schlecht erschlossen.

Das alles ist heute nicht mehr so. Dennoch bewahrt sich die Ogliastra ihren Insel-Status und wird von vielen Reisenden einfach links (oder rechts) liegen gelassen. Genau das ist wohl auch in diesem Fall passiert.

Nicht nur schade, sondern ein großer Fehler. Wie ich finde.

 

Vielleicht erscheint die nächste, überarbeitete und um die Ogliastra erweiterte Baedeker-Ausgabe für Sardinien mit einigen zusätzlichen A-Z-Reisezielen?!

 

A wie Arbatax

 

B wie Baunei

 

C wie Cala Goloritzé

 

G wie Golgo oder Gairo Vecchio

 

 

L wie Lotzorai

 

O wie Lido di Orrì oder Osini

 

 

S wie Santa Maria Navarrese

 

T wie Triei

 

U wie Ulassai oder Urzulei

 


… um nur einige zu nennen!

 

 

Anmerkung:
Das Buch wurde mir vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestelllt. Dies hatte keinen Einfluss auf meine Beurteilung und den vorliegenden Text.

 

 

 

2 Responses

  1. Rainer

    Finde ich gar nicht schlimm das die Ogliastra fehlt, dann bleibt es da weiterhin so herrlich entspannt.

    • tine

      Genau! Das ist tatsächlich der positive Aspekt daran. Freuen wir uns drüber und genießen wir das!

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