Abgetaucht: Als Ekzempferd auf Sardinien

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SOS Sommerekzem – Plane jetzt fürs nächste Frühjahr!

Mit der passenden Pflegemittel-Kombi und den Tipps von Pferde-Tierärztin Eva Mack auf der sicheren Seite

 

sommerekzem_decken

 

Wo läuft sie hin? Da stehe ich mal wieder am Koppeltor und blicke bange den Pferden hinterher. Ah, gut. Kleine Freudenrunde im Galopp. Dann Kopf runter und Fressen. Die Bäume zum Scheuern beiben vorerst unbeachtet. Und ich mache mich erleichtert ans Misten – nicht ohne weiterhin zwanghafte Kontrollblicke auf die Weide zu schicken. Wer ein Ekzempferd hat, kennt solche und ähnliche Szenen.

 

Endlich Ruhe

Obwohl es tagsüber noch sehr heiß ist, haben die Pferde bereits mit dem Fellwechsel begonnen. Der Sommer neigt sich auch hier langsam seinem Ende zu. Das ist zwar immer ein etwas wehmütiger Moment. Für mich als Reiterin, Pferdehalterin und vor allem Ekzempferdbesitzerin macht sich aber vor allem eines breit: Erleichterung. Fliegenschutzhauben, Pflegemittel & Co. kommen zurück in die Kiste. Ein fast schon ritueller Moment: Endlich kehrt Ruhe ein! Zeit auch, um Resumee zu ziehen und gedanklich fürs nächste Jahr zu planen.

 

Meine Pflege-Set des Sommers 2016 im Kampf gegen Insektenplage und Sommerekzem:

 

pflegemittel_set

 

1   Ballistol animal: Newcomer und absolute Nr. 1
Ich bin begeistert: Mit diesem Produkt (und für diese Aussage bekomme ich kein Geld!) ist es mir nicht nur gelungen, die sonst blutig gekratzten Ohren und die Wunden am Kopf meines Pferdes in Griff zu bekommen, sondern auch den Ekzem-Scheuerstellen an der Bauchnaht oder in Mähne und Schweif vorzubeugen. Bei regelmäßigem Einsatz – in meinem Fall morgens und abends – bleibt die Haut heil, die Insekten fern und auch das Jucken hält sich in Grenzen.

Ich habe die große 500ml-Flasche benutzt: Ballistol animal

 

2 Desinfektionslösung: Hier im Süden wegen der Fliegen unerlässlich
Alle noch so kleinen offenen Stellen desinfiziere ich mit einer Desinfektionslösung, die hier in Italien in der Apotheke bekomme, damit sich die Wunde nicht über die Fliegen infiziert. Das Mittel hält außerdem Insekten fern und trocknet die Stelle in der Regel so gut und schnell aus, dass ich gegebenenfalls mit Ballistolöl weiterbehandeln kann. Meine Stute beißt sich zum Beispiel am Kronrand oder am Euter auf, weil es da so juckt.

 

sommerekzem_es_juckt

3 Eigen-Mix zur Kriebelmücken-Abwehr: bewährt und kostengünstig
Da ich hier kein Reitsportgeschäft habe und die Speditionskosten auf die Insel hoch sind, habe ich mir meine eigene Ekzemlotion gemixt. Von den ursprünglichen Bestandteilen ist vor allem ein Wirkstoff übrig geblieben, der sich in meinem Fall als sehr effektiv in der Kriebelmückenabwehr erwiesen hat: Citronellaöl (ergänzt durch Teebaumöl). Damit reibe ich den Mähnenansatz, aber auch die Schweifrübe oder die Bauchnaht ein, wenn die Pferde ohne Ekzemdecke sind.

Mein Rezept:

  • 250 ml flüssige neutrale Pflegelotion (Drogeriemarkt)
  • 50 Tropfen naturreines Citronellaöl
    (ich verwende: Caelo/Oleum citronellae aus der Apotheke, 100 ml kosten ca.25 Euro)
  • 25 Tropfen naturreines Teebaumöl

 

 

4 Wundsalbe: Hält dicht
Zum Abdecken von Wunden benütze ich die alt bewährte Penaten-Creme. Sie bleibt durch ihre Konsistenz auch bei Wärme lange auf den offenen Stellen kleben. Alternativ setze ich Zink-Wundsalbe aus dem Drogeriemarkt ein, die über eine ähnliche Konsistenz verfügt und ebenfalls heilend und austrocknend wirkt.

 

5 Kernseife: Sanfte Reinigung
Wenn nicht täglich, so doch alle zwei bis drei Tage wasche ich Mähne und Schweif entweder mit klarem Wasser oder zusätzlich mit einfacher Kernseife oder einem sanften Babyshampoo.

 

6 Teebaumpflegelotion: Sofort-Hilfe bei Juckreiz
Hat sich das Pferd doch einmal gescheuert und Mähne und/oder Schweif in ein besenartiges Gebilde verwandelt, verwende ich Teebaumpflegelotion, die es von Loesdau (etwas günstiger) oder Leovet gibt. Die nimmt meiner Erfahrung nach den Juckreiz, so dass das Tier zunächst einmal aufhört, zu kratzen.

Hier bekommst du die Lotion online: Teebaumpflegelotion

 

Außerdem im Einsatz:

Ekzemdecke
Das wichtigste Utensil ist und bleibt eine gute und robuste, passende Ekzemdecke, die alle empfindlichen Stellen am Körper effektiv abdeckt. Meine Pferde werden 24 Stunden im Offenstall gehalten und tragen die Decken im Sommer die ganze Nacht, inklusive Morgen- und Abenddämmerung. In der Übergangszeit, wenn es hier oft feucht ist, lasse ich die Decken den ganzen Tag drauf. Nur wenige Monate im Winter – von Januar bis April – können sie ohne Decke sein.

Ich nutze relativ günstige Ekzemdecken, wie diese hier, die ebenfalls sehr robust sind: Ekzemdecke

 

sommerekzem_fliegenhaubeFliegenmaske
In den Sommermonaten tragen die Pferde Masken mit Ohrenschutz. Mit Fliegenhaube und Ballistolöl konnte ich in diesem Sommer zum ersten Mal komplett verhindern´, dass sich die Pferde blutige Stellen an Kopf und Ohren kratzen.

Als ziemlich „unkaputtbar“ hat sich bewährt: Amigo Fly Maske

 

Fliegenspray
Spray setze ich sehr selten ein. Mit den oben beschriebenen Maßnahmen sind die Tiere gut geschützt. Gute Dienste leistet es als Sofort-Hilfe-Maßnahme, wenn die Biester beim Putzen und Satteln über einen herfallen oder auch beim Schmiedtermin.

Im Einsatz dieses Jahr: Ballistol Fliegenspray

 


3 Fragen an Tierärztin Eva Mack

Fazit: Wir sind wieder mal mit einem blauen Auge davon und durch den Sommer gekommen.

Viele Fragen bleiben aber offen. Die habe ich Pferde-Tierärztin Eva Mack gestellt.

Einige kennen sie sicherlich noch von ihren Fachbeiträgen in der „Freizeit im Sattel“. Eva Mack betreibt auf ihrem Hof in der Hohenlohe neben ihrer Tierarztpraxis auch einen kleinen Pensions-Offenstall. Lies hier ihre Antworten auf meine kritischen Überlegungen und Fragen:

 

dscf1405Frage 1:

Als ich vor 8 Jahren auf die Insel kam, hatten meine beiden Pferde – eine Haflingerstute und eine Haflinger-Shagya-Stute – kein Sommerekzem. Obwohl die Weiden in D sehr viel reichhaltiger waren als das dürre Gras hier, mein Reitpensum eigentlich dasselbe blieb und die Pferde ebenso dünn oder dick blieben wie gehabt, fingen beide Stuten im ersten Frühjahr und Sommer hier sofort an, sich fürchterlich zu scheuern. Wie kann das sein?

Eva Mack: „Leider ist das ganze Kapitel Sommerekzem immer noch mit vielen Fragezeichen behaftet und vom Auslöser her enorm vielfältig. Man geht davon aus, dass Pferde aus vielerlei Gründen (z.B Fehlernährung, Mangel an bestimmten Mineralien bzw. Spurenelementen wie insbesondere Zink oder auch Leberschädigungen) eine Allergie auf verschiedenste Substanzen entwickeln. Das können unterschiedliche Insekten aber auch Pflanzenpollen oder bestimmte Futtermittel sein. Ein Pferd muß also nicht zwangsläufig übergewichtig sein, um eine Allergie zu entwickeln. Wie bei uns Menschen sind Allergien auch bei Pferden leider sehr im Zunehmen begriffen. Aus meiner Sicht empfehlenswert ist ein Allergietest. Dann kann man oftmals bei positivem Ergebnis mit einer Desensibilisierung recht gute Resultate bekommen. Ebenso kann eine Blutuntersuchung auf Spurenelemente und Mineralstoffe wertvolle Hinweise bringen.“

 

Frage 2:

Außerdem habe ich die Beobachtung gemacht, dass auf Sardinien ebenfalls sehr viele Pferde an Sommerekzem leiden. Das hat mich verwundert, denn eigentlich müssten die hier geborenen Pferde doch besser an das herrschende Klima und die Futtersituation angepasst sein. Dass der importierte Friese vom Nachbar Sommerekzem bekommen hat, konnte ich mir noch erklären. Aber warum leiden auch die meist bei kargem Futter gehaltenen sardischen Anglo-Araber und die mit diversen Insel-Pferdchen gemixten Equiden unter der „Wohlstandskrankheit“? Wie ist das zu erklären?

Eva Mack: „Vielleicht herrscht ja bei den Pferden auf Sardinien ein Mangel bei der Versorgung mit Spurenelementen wie Zink und Selen? Manchmal hilft auch ein Hautgeschabsel, um eventuelle Sekundärinfektionen mit Bakterien, Ektoparasiten oder Hautpilerkrankungen auszuschließen, die dem klassischen Sommerekzem ähnliche Symptome auslösen. Vielleicht liegt bei den sardischen Pferden da eine Ursache? Auch die erbliche Komponente ist nicht zu vernachlässigen. Das Ekzem an sich ist nicht erblich, aber die Disposition dazu.

 

sommerekzem_vorhangFrage 3:

Ekzempferde müssen vor den Allergie auslösenden Kriebelmücken geschützt werden. Als Offenstallhalterin bedeutet das für mich eine mit Fliegennetzen und Vorhängen geschlossene dunkle Weidehütte und Ekzemdecken. Allerdings muss ich zugeben, dass ich nach nunmehr acht Jahren Ekzempferdehaltung inzwischen so weit bin, die 24-Stunden-Offenstallhaltung, die ich mein Leben lang beführwortet und betrieben habe, in Frage zu stellen. Ein gravierender Moment! Wenn ich aber zuschauen muss, wie sich mein Pferd auf der Koppel wie im Wahn gegen einen Baum wirft, um sich zu scheuern, oder die nicht mit E-Zaun geschützten Holzpfeiler in Paddock und Stall fast umwirft, um dem Juckreiz vermeintlich ein Ende zu bereiten, frage ich mich schon: Ist diese Haltung für dieses Pferd noch sinnvoll?! Dem gegenüber war mein ebenfalls Ekzem geplagtes Einsteller-Pferd drei Monate in Ausbildung in einem gemauerten Boxenstall untergebracht und kam ohne Scheuerstellen und in bestem Zustand zurück. Ist Offenstallhaltung um jeden Preis noch zu verantworten?

Eva Mack: „Klar! Die Haltung muß unbedingt mit einbezogen werden. Bei vielen Patienten führt ein Verbringen der Pferde zu bestimmten Zeiten (Dämmerung ist Flugzeit der Kriebelmücke) in geschützte Bereiche (Stall) zu starken Verbesserung. Das muss dann individuell entschieden werden. Zu einer guten Offenstallhaltung gehört meiner Ansicht nach die Bereitstellung geschützter Räume, die die Pferde zu bestimmten Tageszeiten oder Wetterlagen frei wählbar aufsuchen können. Meine Pferde haben immer Zugang zu einem luftigen, eher etwas dunkleren Bereich in einer alten Scheune und da stehen sie im Hochsommer oft den ganzen Tag und gehen nur nachts raus.

 

sommerekzem_weideTipp Eva Mack: Das Sommerekzem kann natürlich auch homöopathisch angegangen werden. Bewährte Mittel sind unter anderem Formidium, Sulfur, Apis und Cardiospermum. Aber Achtung: Homöopathie ist immer eine Einzeltierbehandlung unter Einbeziehung des Individuums und seiner Bedürfnisse einzusetzen. Es kann also keine Pauschalbehandlung empfohlen werden.

 

Hintergrund-Info SOMMEREKZEM:

Dein Wissen zum Thema Sommerekzem im Allgemeinen kannst du zum Beispiel bei Karo von den Pferdefreunden auffrischen. Sie schreibt sehr detailliert über die Ursachen von und den Umgang mit Sommerekzem. Oder du schaust dir noch einmal den sehr aufschlussreichen Kultreiter-Artikel zum Sommerekzem auf Lines Seite näher an.

 

 


Anmerkung: Meine Produktempfehlungen habe ich mit so genannten Affiliate-Links hinterlegt. Wenn du über diese Links einen Kauf tätigst, untersützt du diesen Blog und meine Arbeit. Ohne dafür mehr zu bezahlen. Danke!

 

 

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