Von Sardinien nach Island

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Ein Solo-Trip in den Hohen Norden

Meine diesjährige Flucht im August, Island im Sommer und
ganz persönliche Erkenntnisse beim Inselhopping

 

Warum Island?

Kindheitstraum. Sehnsuchtsort. Geburtstagsgeschenk. Wunsch frei. Auszeit. Inselfieber. Neugier. Neues sehen.
Lust auf Norden.

Von all dem war etwas dabei, als sich die vage Idee in beiläufiges Informieren und schließlich fieberhaftes Planen verwandelte. Tatsächlich träume ich seit ich lesen kann und als pferdenärrisches Mädchen die Bücher von Lise Gast (Unsere Ponies und wir) und Ursula Bruns (Dick und Dalli und die Ponies) in die Hände bekam von diesem Trip. Nicht ahnend, dass es fast ein halbes Jahrhundert dauern würde, bis ich die Insel das erste Mal sehen würde.

Nach erster Euphorie verlief die weitere Annäherung an diese Reise etwas holprig. Schnell hatte ich meine Wunsch-Route zusammengestellt, wusste ganz genau, wo ich hin wollte, was ich mir alles ansehen und welche Reittour ich buchen würde. Wunderbar. Dachte ich.

Die Realität – in diesem Fall das liebe Geld – brachte mich dann allerdings schnell wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Und die mit großem Herzblut recherchierte und herbei gesehnte Reise schien zum Scheitern verurteilt. Wenn nicht…

Doch dazu später!

 

 

Island ist ja im Moment DAS Reiseziel überhaupt. Überall Reiseberichte, tolle Bilder und jede Menge Ratschläge. Dazu im Netz viele, viele lesenwerte und hilfreiche Island-Geschichten (meine Favoriten weiter unten).
Hier also ergänzend nur einige persönliche Gedanken und Erfahrungen. Vielleicht sind sie dir ja bei der Planung deiner Island-Reise von Nutzen?!

 

1 Was mich an Island total erstaunt hat:
meine 5 Aha-Momente vor und während der Reise

 

2 Was du zum Wandern, Reiten und Campen im August dabei haben solltest:
meine Packliste für den Sommer

 

3 Wie ich mich vorbereitet habe:
meine Lese-Tipps und anderes Wissenswerte

 

4 Mit minimalem Budget auf die Insel:
Wie es zu dieser Reise kam

 

5 Träumen darf man:
Das wünsche ich mir für meinen nächsten Island-Trip

 

 

1 Was mich an Island total erstaunt hat:
meine 5 Aha-Momente vor und während der Reise

 

Spontan geht erstmal gar nichts

Bisher war das immer so: Sobald ich wusste, wohin die Reise geht, habe ich mich erst einmal mit Lesestoff eingedeckt und mir eine Landkarte gekauft. Zu gegebener Zeit bin ich dann einfach losgefahren. Tickets wurden relativ zeitnah gekauft – es könnte ja immer etwas dazwischen kommen – und meine Übernachtungen habe ich vor Ort organisiert. Glücklicherweise hatte ich gerade noch rechtzeitig kapiert, dass das in Island so nicht funktioniert – zumindest wenn man in der Hauptsaison zwischen Juni und August reisen muss.
Einen einigermaßen günstigen Flug für August habe ich dann kurz vor knapp im Januar gerade noch so ergattert. Danach stiegen die Preise rasant schnell in die Höhe und viele Termine waren schlichtweg ausgebucht. Uff, das war also gerade noch einmal gut gegangen!

Dachte ich. Denn das nächste Aha-Erlebnis war dann das Thema Unterkunft. Alarmiert von Reiseberichten im Internet begann ich, relativ entspannt – es ist ja erst Januar, da bin ich ja früh dran – einige Hostels zu checken, die mich gleich angesprochen hatten und auf meiner Wunschroute lagen. Schock Nr. 1: ein Großteil war schon ausgebucht. Schock Nr. 2: für einen Etagenbettplatz im Schlafsaal sind Preise um die 40 Euro ein Glücksfall. Preistendenz steigend.

Spätestens da wurde mir klar, dass in den Sommermonaten wirklich wahnsinnig viele Menschen in Island unterwegs sind, dass ich mich entweder für meine Begriffe sehr früh bereits im Januar auf ein Reiseart (z.B. mit Mietwagen) und eine exakte Route festlegen muss, dass mein Budget bei weitem nicht ausreicht für diesen Trip ODER: dass ich alles ganz anders angehen muss, wenn das mit der Erfüllung meines Kindheitstraums in diesem Jahr noch etwas werden sollte.

 

Ganz schön frisch hier!

Natürlich hatte ich mich vorbereitet. Natürlich kannte ich die Wetterverhältnisse. Natürlich wusste ich, dass für den Sommer eine Durchschnittstemperatur von 12°C angegeben wird. Und natürlich hatte ich meine Ausrüstung entsprechend zusammengestellt. Schließlich hatte ich ja ganz bewusst vor, im Zelt zu übernachten, viel draußen unterwegs zu sein und dabei nicht zu frieren. Tja, so viel zur Theorie.

Obwohl ich mit 7 Sonnentagen während meines zehntägigen Aufenthalts richtig Glück hatte mit dem Wetter, wurde es nachts mit Temperaturen knapp über 0°C dennoch empfindlich kalt. Zelt und Wiese waren jeden Morgen durch Nebel und Tau patschnass. Spätestens nach den zwei regnerischen „Sturmnächten“ (für Isländer war das gemessen an den winterlichen Schneestürmen natürlich gar nichts!) war mir allerdings klar: Das hier ist nichts für Warmduscher und auch nichts für schlechtes Material!

Ich war froh an meinem erstklassigen Zelt, das sich 48 Stunden lang tapfer gegen den Wind gestemmt und keinen Tropfen Wasser durchgelassen hat, an meinem dicken Daunen-Schlafsack und an meinen warmen Klamotten, die ich im Zwiebelprinzip tagsüber zeitweise alle über einander getragen habe.
Und das im August. Das fand ich schon sehr lustig. Die Isländer fanden es umgekehrt ziemlich amüsant und fast schon beängstigend, dass auf Sardinien zur gleichen Zeit Temperaturen von bis zu 40°C herrschen – nicht auszuhalten, waren sich alle einig.

 

Wegwarte im Nebel: Orientierung früher und heute

 

Natur als Grenzerfahrung

Vielleicht gerade weil ich gegenüber den Naturgewalten einen riesen Respekt habe und mich oftmals angesichts der Kraft der Natur klein mit Hut fühle, kam ich in Island gleich an Tag 1 an meine Grenzen. Ich wollte an einem sonnigen Morgen mit wunderbarer Weitsicht den Berg gegenüber meiner Bleibe besteigen. Der Nebel hing brav unten im Fjord fest. Alles bestens. Auf halbem Weg begann sich das Szenario allerdings zu verändern und die dicken weißen Schwaden krochen mit erstaunlicher Geschwindigkeit Tal aufwärts in meine Richtung. Kein Problem, dachte ich zunächst. Und prägte mir meinen Rückzug mit Hilfe von Zaunpfosten, Wasserläufen und anderen markanten Punkten gut ein – sollte mich die Nebelsuppe vorzeitig erreichen. Pustekuchen. Immer häufiger ertappte ich mich bei nervösen Schulterblicken. Bis ich schließlich umkehrte. Kaum zu glauben, aber mir war das nicht geheuer.

Wenige Tage später hatte ich ein weiteres Schlüsselerlebnis. Das Wetter hatte sich inzwischen verschlechtert. Ums Haus waberte dichter weißer Dunst. Plötzliche ertappte ich mich beim Gedanken, dass es mir gar nicht unbedingt so wahnsinnig wichtig war, die Pferde zu satteln und auf Tour zu gehen. Was?!? Ein Ding der Unmöglichkeit. Draußen standen zwei wunderbare Islandpferde, mit denen ich stundenlang durch die Gegend hätte streifen können. Und ich kneife?!? Tatsächlich war ich auch in diesem Fall so beeindruckt von den isländischen Wetterverhältnissen, dass ich es nicht wagte, mich in den undurchdringlichen Nebel zu stürzen.

Wer also alleine und eigenverantwortlich wandern oder reiten möchte, sollte zumindest bedenken: Es gibt nicht überall Wege (hier im Norden sehr wenige, man läuft und reitet querfeldein), dafür überall Sümpfe, Bachläufe und Schluchten. Man wandert oder reitet querfeldein und orientiert sich an Schafspfaden. Am Anfang sieht aber irgendwie jeder Hügel aus wie der andere – erst recht, wenn man seine eigene Hand nicht vor den Augen erkennen kann. Das war mir dann doch zu viel Abenteuer. Und ich habe brav auf den nächsten Sonnentag mit Weitsicht gewartet.

 

Größer könnten die Unterschiede nicht sein. Und doch gibt es Parallelen

Die eine schon fast in Afrika, die andere knapp unterhalb des nördlichen Polarkreises – die beiden Inseln Sardinien und Island stellen an sich schon einen Gegensatz dar. Und trotzdem gibt es auch Ähnlichkeiten. Wer hätte das gedacht?!

Der erste und bleibende Eindruck: wo man hinschaut weites, wildes, einsames, unbesiedelte Land, vor allem im Landesinneren. Sowohl auf Sardinien als auch in Island konzentriert sich ein Großteil der ohnehin schon verhältnismäßig geringen Inselbevölkerung auf die Hauptstädte. Außerdem zieht es die Menschen an die Küste. In Island war das schon immer so, weil das Landesinneren nahezu unbewohnbar ist und sich nähe der Küste das fruchtbare Weideland befindet. Auf Sardinien ist das ein eher neueres Phänomen der Landflucht aus den kleinen, schlecht erschlossenen Bergdörfern ans Meer. Beim Umherfahren sticht außerdem sofort ins Auge: Auf beiden Inseln leben mehr Schafe als Menschen. Sie sind nach wie vor wichtiger Wirtschaftsfaktor und traditionelle Einnahmequelle vor allem als Fleischlieferanten.

„Petta reddast“ heißt übersetzt so viel wie „Das wird schon irgendwie klappen“. Nach diesem Motto leben nicht nur die Isländer relativ tiefenentspannt, sondern auch die Sarden. Man plant nicht alles minutiös und lange im Voraus, um sich möglichst 100prozentig gegen Unvorhergesehens zu wappnen. Erstens kommt es ja doch meistens anders und zweitens als man denkt. Ist es so, wird das nicht so ernst genommen. Und man regt sich auch nicht gerne über Dinge auf, die man ohnehin nicht ändern kann.

In Island kennt sich – übertrieben ausgedrückt – quasi die ganze Insel. Und wenn man nur lange genug nachforscht, lässt sich immer ein Verwandtschaftsgrad feststellen. Auf Sardinien ist das zwar nicht ganz so. Allerdings wird auch hier beim ersten Zusammentreffen gerne gefragt: „Woher kommst du?“ und „Zu wem gehörst du?“, um dann genau zu erörtern, wo genau die verwandtschaftlichen Verbindungen liegen. In Island gibt es sogar eine Internetplattform, auf der zwei Personen in kurzer Zeit ihre vorhandenen oder nicht vorhandenen Familienverhältnisse ermitteln können.

Delikatesse oder Touristen-Schreck? In Island wird Gammelhai („Hakarl“) nach altem Wikingerrezept hergestellt und sogar im Restaurant serviert, auf Sardinien schwört man heute wie damals auf „Casu marciu“, den berühmten Käse mit Würmern. Den gibt es allerdings nur unter der Hand zu kaufen. Island-Exptertin Alva Gehrmann mutmaßt nicht ganz ernst gemeint, dass die Isländer den stinkenden Fisch nur essen, um Besucher zu schocken. Dieser Gedanke hat sich auch mir schon das ein oder andere Mal aufgedrängt, wenn die Sarden mit schelmischem Grinsen ihren Käse aus dem Kämmerchen holen und den Urlaubern vorsetzen. Spaß muss sein!

Nicht zuletzt ist es das Insel-Sein und die lange Erfahrung der Fremdherrschaft, die Island und Sardinien mit einer Art unsichtbarem Band verbindet und auf beiden Inseln ein besonders starkes Identitätsbewusstsein geschaffen haben. Das äußert sich nicht nur in einer eigenen Sprache, sondern auch in einem besonderen Stolz auf die alten Bräuche und Traditionen, die von den nachfolgenden Generationen – zumindest auf dem Land – weiter getragen und gelebt werden. Das zu spüren, finde ich immer wieder sehr berührend und herzerwärmend. Hier und da.

 

 

2 Was du zum Wandern, Reiten und Campen im August dabei haben solltest:
meine Packliste für den Sommer

 

Vorab noch einmal kurz: Ich war zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Mitfahrgelegenheit unterwegs. Übernachtet habe ich im selbst mitgebrachten Zelt an einem festen Ort. Verpflegt wurde ich von meiner Gastgeberin, so dass ich weder Kochzeug noch Essgeschirr mitnehmen musste.

 

Los geht’s mit den Gepäckstücken:

Rucksack, 60 L, mit integriertem Regenschutz
+ Rucksack-Schutzsack
Größe war genau richtig. Schutzsack fand ich sehr sinnvoll, um seitlich angeschaltes Zelt und Isomatte beim Flug nicht zu beschädigen.
Stoffbeutel Damit habe ich das Gepäck im Rucksack sortiert.
kleiner Tagesrucksack Prüfe auf jeden Fall die Bestimmungen der Fluggesellschaften bezüglich Handgepäck: Bei WOW-Air darf man zusätzlich zum 20kg-Gepäck ein kleines handtaschengroßes Handgepäckstück mitnehmen, bei Eurowings geht das nicht, allerdings galt der Rucksack dort als Handgepäck, das zusätzlich zum großen Check-in-Gepäck im Preis inbegriffen war.

 

Und das war meine Camping-Ausrüstung:

2-Personen-Zelt
Exped Gemini II (2,3 kg)
Ohne ein richtig gutes, hochwertiges Zelt geht gar nichts! Es sollte sowohl 100% wasserdicht, als auch mega stabil und gut gebaut für starken Wind sein sowie sich gut abspannen lassen. Ich war froh über die 2-Mann-Zelt-Variante: So konnte ich ALLES gut IM Zelt unterbringen. Ebenso happy war ich über das geringe Packmaß und Gewicht.
aufblaßbare Isomatte  
Daunen-Schlafsack Jeder hat ein unterschiedliches Kälteempfinden. Deshalb nur so viel: Nachts wird’s auch im August ziemlich frisch!
aufblaßbares Kissen Verschwindend gering bzgl. Packmaß und Gewicht, aber unerlässlich in Sachen Schlafkomfort, finde ich.

 

Outdoor-Kleidung:

Wanderstiefel
(Lowa Renegade, Leder)
Gute wasserdichte Wanderstiefel sind eines der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände in Island. Am Morgen liegt Tau oder es regnet, außerdem trifft man beim Wandern überall auf Wasser und Sumpf. Mit meinen Lederstiefeln, die ich während des Aufenthalts 2x nachgewachst habe, war ich sehr zufrieden.
einfache Windjacke Die Kombi Wind- plus Regenjacke war eine Notlösung…
Ideal ist sicherlich eine qualitativ hochwertige, wind- und wasserfeste Outdoor-Jacke.
Regenjacke Unerlässlich.
Regenhose Ebenso unerlässlich, weil es früher oder später immer mal regnet. Aber allein schon als Windschutz sinnvoll. Hat mir aber auch beim Wandern durch nasses Gras gute Dienste geleistet.
Softshell-Fleece  
Handschuhe Handschuhe waren absolut sinnvoll wegen Wind/Regen und teilweise niedrigen Temperaturen, zum Reiten (und Arbeiten) ohnehin unerlässlich.
Buff („Vielzweckkopfbedeckung“) Hatte ich fast die ganze Zeit an, entweder am Hals oder auf dem Kopf (auf dem Kopf z.B. auch nachts im Schlafsack!)

 

Sonstige Kleidung:

 

 

1 Jeans

Nächstes Mal würde ich alternativ eine robuste Outdoor-Hose wählen
1 Reithose  
2 Fleecepullis  
1 Langarmshirt (Funktionsstoff)  
3 T-Shirts (BW)  
Unterwäsche Ich hatte ein Trägershirt dabei, das ich wahlweise als Unterhemd oder als Shirt nutzen konnte. Als Shirt habe ich es nie gebraucht. Stattdessen würde ich das nächste Mal eher 2 davon als Unterhemden mitnehmen…
3x BW-Socken BW-Socken waren fast zu dünn…
1x Woll-Socken Mehr Woll-Socken wären besser gewesen…
1x Funktionswäsche (Kurzarmshirt und lange Hose) Besser wäre ein Langarmshirt gewesen. Noch besser wäre es gewesen, ein zweites dickeres Paar Funktionswäsche zum Wechseln dabei zu haben. Die Funktionswäsche hatte ich eigentlich die ganze Zeit an, nachts dann als Schlafwäsche.
Badeanzug Unbedingt mitnehmen, da es an vielen Orten warme Hotpots oder Schwimmbäder gibt.

 

Sonstige Ausrüstung:

Lese-Klemmlampe
+ Ersatzbetterien
War für mich persönlich zum Lesen und Notizen machen abends im Zelt absolut unerlässlich. Sinnvoll auch, wenn es draußen ungemütlich werden sollte und man sich ins Zelt zurückziehen muss.
Wasserdichte Dokubeutel  
Snow Seal Wachs Zum Nachwachsen der Wanderstiefel
1 Tube Handwaschmittel  
Wasserflasche, klein  

 

Persönliches:

Kosmetik  
Outdoor-Handtuch Kleines Packmaß, trocknet schnell
Pflaster/Blasenpflaster/
Desinfektionsspray/Ibu
 
Schreibzeug  
Reiseinfo/Islandkarte  
Foto (kleine Digitalkamera)  
Handy + Ladekabel  
2 Bücher  
Sonnenbrille  

 

Überflüssig dabei gehabt:

Leggin Hatte ich für nachts zum Schlafen gedacht, aber da war mir dann die bereits angewärmte Funktionsunterwäsche lieber….
Stirnlampe Habe ich nicht gebraucht, weil es nachts kaum dunkel wurde und man draußen gut ohne Licht unterwegs sein konnte. Zum Lesen im Zelt habe ich meine Lese-Klemmlampe benutzt.
Leichte Stoffschuhe Vollkommen überflüssig. Hatte ich als Ersatzschuhe vorgesehen. Waren aber auf Grund der Witterung überhaupt nicht zu gebrauchen, auch Teva-Sandalen (war ne Überlegung während der Planungsphase) hätte ich nicht nutzen können/wollen.
Mückenschutz/Anti-Juckspray Beides überhaupt nicht gebraucht (bei den Temperaturen!)

 

NICHT dabei gehabt (LEIDER!), würde ich beim nächsten Mal auf jeden Fall einpacken:

  • dicke Mütze und/oder Stirnband
  • zweites Paar, dickere Funktionswäsche
  • praktisch wäre sicherlich gewesen (statt Jeans): robuste Outdoor-Hose
  • nach Möglichkeit eine gute wind- und wasserdichte Outdoor-Jacke
  • Schlafmaske (Überall stand es geschrieben. Und ich dachte, ich komme ohne aus bzw. habe so ein Ding noch nie benutzt. Hätte ich mal auf den Rat erfahrener Islandreisender gehört!)

 

Bewusst nicht mitgenommen:

  • Sonnencreme → die habe ich auch tatsächlich nicht gebraucht, denn entweder war ich dick angezogen oder die Sonne war für mich als Halb-Sardin mit vorgebräunter Haut auch nicht besonders stark

 

 

3 Wie ich mich vorbereitet habe:
meine Lese-Tipps und anderes Wissenswerte

 

PAPIER

Ich bin ja so ein altmodischer Bücher-Mensch und brauche immer etwas zum Blättern. Also habe ich mir erstmal als Einstiegslektüre das neueste Merian-Heft Island geholt. Das mache ich gerne so, um mich durch die Bildstrecken einstimmen zu lassen und die groben Trends zu erfassen. Ich hatte Glück. Die Ausgabe war erst im November 2017 erschienen und daher brandaktuell.

Im Heft fand ich neben einem Artikel von Alva Gehrmann zu Reykjavik den Hinweis auf ihr Buch Alles ganz Isi – Isländische Lebenskunst für Anfänger und Fortgeschrittene. Ein absoluter Tipp meinerseits für alle, die wie ich noch nie in Island waren. Zwar ist der Band von 2011, aber das macht nichts: Keine Ahnung, wie oft ich während meiner Reise an Episoden aus diesem Buch denken musste, weil ich sie 1:1 wiedererkannt habe. Unbedingt lesenswert.

Als Reiseführer zur Vorbereitung der Tour zuhause auf dem Sofa habe ich den Anfang 2018 nagelneu herausgebrachten, völlig überarbeiteten und neu gestalteten Baedeker Island ausgesucht. Der war mir dann über Wochen ein wertvoller Begleiter bei der Recherche meiner Wunsch-Reiseroute. Sehr gut fand ich die Kombination aus recht übersichtlichem und für die Grobplanung gut geeignetem Kartenmaterial, zum Teil mit eingearbeiteten Sightseeingtipps und Tourvorschlägen. Zum anderen hat mir auch die alphabetische Auflistung der Orte an der Küste und im Hochland gut gefallen. Einfach einmal weg von der üblichen Ringstraßen-Anordnung in anderen Reiseführern, die einen gedanklich bei der Planung immer in dieselbe Richtung schicken. Man lässt sich so ganz anders auf die einzelnen Regionen ein und reist eventuell auch mal gegen den Strom.

Dazu gibt’s viele Zusatzinfos, unterschiedlich aufgemacht und abwechslungsreich präsentiert.
Was mir gefehlt hat: regionale Detail-Übersichtskarten, die die beschriebenen Orte noch einmal etwas kleinräumiger zeigen und auffindbar machen.
Trotzdem auf jeden Fall „Prädikat: empfehlenswert“!

Um Gewicht zu sparen, hatte ich übrigens keines der Bücher dabei, sondern habe mir nur die wichtigsten Infos notiert bzw. abfotografiert. Nur die herausnehmbare Übersichtskarte aus dem Baedeker habe ich eingesteckt.

 

Hotel Tindastoll in Saudarkrokur

 

WEB

Bei der Lektüre tauchen natürlich schon unendlich viele Internetadressen auf, die reisetechnisch aktuelle Infos liefern und alles über Busverbindungen, Öffnungszeiten und ähnliches mehr ausspuken. Hier die für mich nützlichen Websites:

 

Flughafen-Shuttle zwischen Keflavik und Reykjavik (Dauer ca. 45 min.):
Für den Transfer gibt es verschiedene Anbieter. Die Haltestellen liegen direkt vor dem Flughafengebäude und sind mit den ankommenden/abgehenden Flügen koordiniert. Die Haltestellen in Reykjavik liegen allerdings nicht alle am selben Ort!
Tickets können vorab online gekauft werden. Kosten um die 23 Euro einfache Fahrt.

www.re.is (Haltestelle BSI)

www.grayline.is (Haltestelle Holtavegur)

www.airportdirect.is (Haltestelle Skogarhild)

 

Linienbus zwischen Reykjavik sowie Überland:
www.straeto.is
Für mich war die Linie 57, die auf der Ringstraße Nr. 1 zwischen Reykjavik und Akureyri im Norden verkehrt, von Belang. Achtung: Abfahrt vom Busbahnhof Mjodd! Wer also vom Flughafen mit dem Bus in die Stadt fährt, muss in der Regel mit einer anderen Buslinie oder mit dem Taxi den Busbahnhof wechseln. Zur Orientierung: Die Strecke Reykjavik – Blönduos kostet ca. 60 Euro.

 

Hochlandbus zwischen Reykjavik und Akureyri über die Kjölur-Route:
www.sba.is (Kjölur-Route, Linie 610)
Wer in den Norden möchte, kann je nach Jahreszeit und Wetterverhältnissen mit dem Hochland-Linienbus fahren. Der hält unterwegs auch kurz an den Golden-Circle-Highlights Gullfoss und Strokkur. Außerdem kann man eine Nacht in Hveravellir einschieben, dort wandern und dabei das Hochtemperaturgebiet erkunden. Eine ziemlich reizvolle Variante, die ich leider dieses Mal nicht nutzen konnte, bei der nächsten Reise aber mit Sicherheit einbauen werde. Kosten ca. 150 Euro.

 

Isländisches Google Map:
www.map.is

 

 
BLOG

Dann gibt es natürlich wunderbare persönliche Reiseberichte, aus denen man all das heraus ziehen kann, was in den Reiseführern meist nicht nachzulesen ist. Du erfährst zum Beispiel, was so eine Island-Reise bei welcher Reiseform grob kosten wird, wo die schönsten Hostels mit den nettesten Gastgebern zu finden sind oder wie das mit den unterschiedlichen Mietwagenarten für Ringstraße oder Hochland und den Versicherungen dazu zu handeln ist. Undundund. Irgendwann ist klar, man muss sich auf einige wenige (Gleichgesinnte!) konzentrieren. Das waren bei mir:

www.blickgewinkelt.de

www.seiltanz.org

www.sonne-wolken.de

Und wegen der vielen Infos: www.island-ringstrasse.de

 

SOCIAL MEDIA

Prima zur Einstimmung, aber auch zur konkreten Planung fand ich übrigens Instagram. Ich muss zugeben, ich habe den Social Media Kanal überhaupt zum ersten Mal in diese Richtung genutzt. Neben tollen Fotos von den bekannten Hotspots gibt es dort über die Bildunterschriften auch sehr viele individuelle Tipps zu eher unbekannten Ecken. Außerdem hat man über die Nachrichten-Funktion die Möglichkeit, unter Umständen noch einmal Details abzufragen. Ich habe das mehrere Male genutzt.

Eine Kuriosität am Rande: Bevor ich überhaupt den ersten Reiseführer in der Hand hatte, war für mich auf Grund der Instragram-Eindrücke eigentlich schon klar, dass ich nach Nordisland will – und dort bin ich ja dann tatsächlich auch gelandet!

Besonders zu Beginn habe ich viel in den beiden gut und sehr aktuell geführten Facebook-Gruppen „Reisen in Island“ und „Frauen reisen nach Island“ gelesen und dort natürlich auch meine Fragen gestellt. Sehr informativ und hilfreich!

In Island selbst wird sehr viel über Facebook organisiert. Ich war erstaunt, wie gut vernetzt dort alle sind und wie gut und unkompliziert das über diesen Social Media Kanal funktioniert.
Ohne das erstklassige isländische Facebook-Netzwerk hätte ich übrigens garantiert meinen Rückflug verpasst: Der Bus war nämlich schon weg und ich konnte in letzter Minute noch eine Mitfahrgelegenheit ergattern, die mich gerade noch rechtzeitig vom Norden bis zum Busbahnhof nach Reykjavik gebracht hat. Toll!

Hier geht übrigens meine Instagram-Bilderstrecke zum Island-Trip los.
Schau doch mal rein.

 

4 Mit minimalem Budget nach Island: Wie es zu dieser Reise kam

 

Ich nehme diesen Punkt mit rein, auch wenn meine Reise sicherlich schwierig auf andere übertragbar ist. Aber vielleicht ist sie für dich eine Anregung, ein Gedankenanstoß, um dich auch mit kleiner Urlaubskasse auf den Weg zu machen. Ich kann nur sagen, es lohnt sich! Auch wenn dir die Ringstraßen-Rundfahrt und viele der Top-Sightseeing-Orte verwährt bleiben.

Planungsphase 1:
Zunächst einmal bin ich ja davon ausgegangen, dass ich den Norden Islands bereisen möchte: Saudarkrokur, Akureyri, Myvatn. Ich hatte vor, mir dafür einen Mietwagen zu nehmen. Beim Recherchieren war schnell klar: wenn schon, denn schon! Da fahre ich dann vorher auch noch die Südküste ab bis Vik oder umrunde die Snaefellsness-Halbinsel. Dieser Plan hatte sich schnell erledigt, da ich keine Mitreisenden fand und der Mietwagen für mich alleine zu teuer war.

Planungsphase 2:
Alleine reisend könnte ich mich ja auch einer organisierten Wander-Rundreise anschließen, war mein nächster Gedanke. Geht gar nicht! Da bin ich nicht der Typ dazu. Oder ich buche eine Woche Reittour (Mein Tipp: Kolbeinsdalur!), sitze von morgens bis abends auf dem Pferd und erlebe jede Menge isländische Landschaft?! Das wäre eindeutig meine favorisierte Lösung gewesen. Aber das war in Sachen Budget leider nicht zu stemmen. Wie wäre es dann mit Tagestouren von Reykjavik und Akureyri aus? Die werden dort von verschiedenen Unternehmen angeboten. Aber irgendwie war mir das dann doch zu einsam mit der Übernachtung in irgendwelchen Mehrbettzimmern und zu touristisch mit diesen Bustouren…

Planungsphase 3:
Nun war guter Rat teuer. Alles hinwerfen? Das wäre die logische Folgerung gewesen, mit der ich mich auch schon zähneknirschend abgefunden hatte. Wenn sich nicht auf Grund verrückter Zufälle und wie das Leben so spielt, die Möglichkeit ergeben hätte, mein Zelt bei Karolina auf ihrem Schafhof Hvammslid zwischen Blönduos und Saudarkrokur aufzubauen – selbstverständlich gegen Bezahlung. Das war die Lösung!

Von dort aus konnte ich auf kleinen Streifzügen zu Fuß oder zu Pferd in das Abenteuer Island einzutauchen. Über den „Familienanschluss“ bekam ich darüber hinaus jede Menge mit vom isländischen Alltag, ich lernte nicht nur Menschen kennen, sondern über unsere Gespräche auch viel von der isländischen Mentalität und Lebensweise verstehen. Und das Wichtigste: Ich saß dort inmitten dieser überwältigenden Naturkulisse und fernab jeglicher Touristenströme. Und das in der Hauptsaison. Wie wunderbar!

So konnte ich für rund 1.300 Euro (alle Flüge, Transfer mit Bus und Mitfahrgelegenheit, Zeltplatz, Verpflegung und Reiten) ganze zehn Tage Island erleben und mir so am Ende doch noch meinen Herzenswunsch erfüllen.

 

 

Übrigens:
Karolina hat für Island-Freunde einen wunderschönen Kalender entworfen. Er zeigt ziemlich eindrücklich, wie es sich in den Bergen in Nordisland das ganze Jahr über so lebt. Herrliche Bilder und interessante Zusatzinfos, unter anderem zum alten isländischen Kalender, der eine ganz andere Gliederung hatte als der heutige.

Hier gibt’s den Trailer zum Kalender.

 

 

 

5 Träumen darf man:
Das wünsche ich mir für meinen nächsten Island-Trip

 

Jetzt heißt es eifrig sparen. Einmal vom Island-Virus infiziert gibt es nun kein Halten mehr. Bei meiner nächsten Reise möchte ich:

  • einen fahrbaren Untersatz haben und dieses Mal tatsächlich unterwegs sein auf der Insel, neue Ecken kennenlernen. Wahrscheinlich würde ich wieder gen Norden fahren, mir die Gegend um Akuryeri ansehen und weiter in den Nordosten ziehen. Oder:
  • ohne Fahrzeug mit dem Hochland-Linienbus von Reykjavik über die Kjölur mit Zwischenstopp in Hveravellir nach Akureyri, mir dort einen Mietwagen nehmen, um dort mobil zu sein, und dann weiter mit dem Bus nach Egilstadir zum Reiten
  • auf keinen Fall die Ringstraße abhetzen, denn ich weiß jetzt auch, dass die Wege in Island – wie auf Sardinien! – weit sind. Weniger ist mehr. Ich kann all die Naturschönheiten einfach nicht im Durchrasen erfassen.
  • unbedingt wieder campen, es gibt so herrliche Zeltplätze an so tollen Orten, klasse wäre natürlich ein campingtaugliches Fahrzeug
  • wohl wieder in den Sommermonaten reisen, weil für mich als Island-Neuling und Halb-Sardin das Wetter und die Temperaturen in der Zeit zunächst einmal „hart“ genug sind. Wenn man dann Glück hat und das typische isländische Sommerwetter erwischt, erlebt man sonnige, trockene Tage mit Temperaturen um die 10 bis 15 Grad. Ideal!
  • auf jeden Fall Reiten mit Guide einplanen: Tagesritte oder am liebsten eine mehrtägige Tour mit freilaufender Herde dabei (das soll ein unvergessliches Erlebnis sein, habe ich mir sagen lassen)
  • einen kurzen Stopp in Reykjavik einlegen, durch die Straßen schlendern, auf die Hallgrimskirkja hoch, das Perlan-Museum besichtigen, mir das Harpa-Gebäude anschauen, den alten Hafen – man hört so viele widersprüchliche Meinungen über diese Stadt, also muss man sie gesehen haben!
  • viel mehr Zeit in Island verbringen und meine Familie mitnehmen. Ich finde, Island ist genial für Kinder, ein richtiges Abenteuer- und Entdeckerland. Kinder fasziniert, dass man Eier in einer Socke in heißen Quellen hart kochen kann. Und mein Sohn träumt jetzt schon davon, dass er in Island nie ins Bett muss, weil es ja im Sommer nicht dunkel wird! Dazu das Mystische und die Trolle und Elfen hinter jedem Fels… Mal schauen!

 

Ich freue mich schon jetzt.

 

 

Anmerkung: Dieser Beitrag enthält (unbezahlte) Werbung, da Produktnennung und Verlinkung.

 

 

 

 

 

 

 

2 Responses

  1. Sibylle Herpich

    Hi Tine, wie immer super schön, spannend, interessant und informativ geschrieben. Für mich ist das Ziel aber trotzdem SARDINIEN bin einfach eine Warmduscherin ;-). Aber mit deinem tollen Bericht habe ich auch ein bisschen ISLAND erlebt. Vielen Dank und ich freue mich auf die nächste Inselpost.
    Grüssle von dr Alb (gerade wunderschön) Bille

    • tine

      Liebe Bille, vielen Dank… Und wie schade, dass ich auf dich als Island-Reisepartnerin nicht zählen kann. ;-)) Aber Sardinien passt auch! Gruß zurück auf die schöne Alb

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