Vorsaison in der Ogliastra

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Erster in Lotzorai

Man muss das mögen. Ganz klar.

Saison-Vorreiter sein in der Ogliastra ist nicht jedermanns Sache und möglicherweise mit dem ein oder anderen kleinen Hindernis verbunden.

Aber nur die Harten kommen in den Garten. Und dein Mut wird belohnt. Das kann ich dir schon jetzt versprechen. Mit einer Einschränkung. Du solltest über folgende Eigenschaften verfügen:

 

1 Bist du einfallsreich und erfinderisch?

Um in der Vorsaison überhaupt hierher zu kommen, musst du einen gewissen Rechercheaufwand einkalkulieren. Direktflüge sind kaum zu haben und manchmal ist es eine echte Herausforderung, die Flugverbindungen mit Zwischenstopps so zusammenzufügen, dass du nicht stundenlang oder gar eine ganze Nacht in der Flughafen-Wartehalle verbringen musst. Ich bin im Winterhalbjahr zuletzt einigermaßen gut mit einer Kombination aus Easyjet und Ryanair über unterschiedliche italienische Zwischenflughäfen gefahren. Wenn du mehr Zeit hast, bleibt natürlich noch die Anreise mit der Fähre, die außerhalb der Saison zwar nicht so oft, dafür aber immer und garantiert fährt.

 

Naturgewalten: Im Winter ist es schon möglich, dass es am Strand kein Weiterkommen gibt.

 

2 Liebst du Ruhe und Beschaulichkeit?

Dann wirst du es hier in den Wintermonaten besonders schön finden. Jetzt kannst du nämlich ideal entspannen, dir eine Auszeit im wahren Sinne des Wortes gönnen und wirklich einmal komplett mit dir und deinen Gedanken alleine sein. Du wirst auf deinen Strandspaziergängen oder Wanderungen so gut wie keine Menschenseele treffen, was zum Beispiel für die bekannten Touren wie Gorropu oder Goloritzé inzwischen wirklich ein Vorteil ist. Auch die archäologischen Ausgrabungsstätten hast du ganz für dich. Meist sind die Kartenhäuschen noch unbesetzt und du kannst in aller Ruhe auf alten Steinen sitzen und genießen. Allerdings musst du auch aushalten, dass viele schön gelegene Bars noch geschlossen sind (Ausnahme z.B. eine Strandbar in der ersten Orrì-Bucht direkt am Strand!), fast kein Restaurant geöffnet hat und auch viele Läden noch nicht auf Kunden eingestellt sind. Wer unbedingt shoppen möchte, kann in Tortolì flanieren gehen. Und in jedem noch so kleinen Dorf gibt es mindestens eine Bar zum Einkehren – garantiert!

 

Für dich reserviert: ein einsames Sonnenplätzen mit Blick auf Fluss und Meer.

 

3 Bist du anspruchslos?

Organisiere dich selbst und erwarte nichts. Lässt du dich gerne treiben im Urlaub und schaust, was dir der Tag so bringt? Dann kannst du jetzt ohnehin nichts falsch machen. Wie gesagt, jetzt ist genau der richtige Moment zum Downshiften hier. Willst du aber etwas unternehmen, stelle dich darauf ein, möglichst autark zu sein. Nimm dir von Zuhause Reiseführer und Wanderkarten mit, packe am besten auch deine Sportgeräte ein oder kümmere dich schon im Vorfeld darum, dass das Ausleihen vor Ort auch tatsächlich klappt. Denn du triffst zwar jetzt noch auf motivierte, von der Saison noch nicht ermüdete Anbieter. Viele sind aber mit der Vorbereitungen derselben beschäftigt oder befinden sich noch im Winterschlaf. In beiden Fällen legen sie wenig Enthusiasmus an den Tag, wenn es darum geht, sich um einzelne, versprengte Interessenten zu kümmern. Wie immer bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel. Sei aber bitte gefasst auf alles.

 

Platz zum Austoben: Zu Fuß oder mit dem Mountainbike unterwegs findest du hier garantiert dein Eldorado. Zugegeben, an diesem Ort ist es auch im Sommer nicht besonders überlaufen…

 

4 Gehst du gerne raus in die Natur?

Bestens! Sonst würde ich dir für die Wintermonate ein anderes Reiseziel empfehlen. Denn genau das und nur das kannst du jetzt hier im Überfluss erleben. Perfektes Ziel also für alle Strandläufer, Muschelsammler, Nuraghenkletterer, Wanderfreaks, Outdoorsportler und Wind- und Wetterliebhaber. Denn ja, die Natur und das Meer können sich jetzt auch ziemlich stürmisch und unwirtlich zeigen (hin und wieder bis zur Kite-Surf-Tauglichkeit, die wir sonst hier nie haben!). Die Strände sind sich selbst überlassen und voller Fundstücke. Im Landesinneren erholt sich die Natur vom heißen Sommer. In der Regel hat es bereits das ein oder andere Mal geregnet, jetzt dominiert sattes Grün in allen Schattierungen. Und irgendwas blüht jetzt immer. Also, auf jeden Fall Wanderschuhe ins Gepäck. Windjacke und Mütze nicht vergessen, aber ebenso T-shirt und Sonnencreme – du wirst staunen, wie sommerlich warm es in dieser Zeit sein kann. Dennoch: Mache dir auch Gedanken, was du anfängst, wenn der Regen die Straßen in Flüsse verwandelt, der Wind das Meer zum Toben bringt und graue Nebelschwaden von den Bergen herab drücken?! Sonne, Wolken, Schnee in den Bergen – alles ist drin.

 

Abgesehen von den Mandelbäumen: Es blüht überall und in allen Farben.

 

5 Kannst du vorausschauend planen?

Was die Unterkunft anbelangt, rate ich dir, dich vorab gut zu informieren (siehe auch Punkt 6 und 7) und vielleicht auch gleich zu buchen. Ich selbst bin ja eher die Spontanreisende und tue mich immer etwas schwer mit festen Reservierungen. Dennoch ist es in diesem Fall und hier bei uns in der Ecke ratsam, im Vorfeld zu checken, wo man überhaupt unterkommen kann. Denn viele Hotels (auch die großen), Campingplätze und Ferienanlagen schließen über den Winter. Und zahlreiche private Anbieter von Ferienwohnungen sind noch immer so sehr auf den Sommertourismus fixiert, dass sie ihre Häuser nicht schon jetzt putzen und herrichten. Bei einer Mietanfrage über die bekannten Buchungsportale könnte sich aber doch mancheiner dazu entschließen, vor der Zeit Gäste zu beherbergen. Mein Tipp außerdem: Viele B&Bs, die es inzwischen wie Sand am Meer hier gibt, sind ganzjährig geöffnet, weil dort hin und wieder bei Familienfesten im Dorf die Verwandtschaft untergebracht wird und auch Vertreter oder Montagearbeiter diese Art Unterkunft nutzen.

 

Farbenfroh: Es kann auch sehr ungemütlich werden, aber meistens dominiert auch in den Wintermonaten das schöne Wetter.

 

6 Kochst du gerne – auch im Urlaub?

Mit dem Essen gehen ist das so eine Sache hier – erst recht außerhalb der Saison. Fast alle Restaurants und Imbiss-Lokale sind zu, manche öffnen nur am Wochenende. Und jeden Tag Pizza oder belegtes Brötchen wird auf die Dauer auch etwas eintönig. Suche dir also möglichst eine Unterkunft mit Kochmöglichkeit, dann bist du auf der sicheren Seite. Supermärkte gibt es hier im Überfluss und sie bieten dir ganzjährig das volle reichhaltige Angebot, so dass du dich im Urlaub einmal so richtig austoben kannst an den Töpfen. Abends wird es ohnehin früh dunkel. Du hast also sowieso genug Zeit und verpasst auch nichts, denn draußen auf den Straßen tanzt nicht gerade der Bär.

 

Nicht ungewöhnlich: Fast jedes Jahr bekommen die Berge in der Ogliastra ein wenig Schnee ab.

 

7 Bist du kälteresistent?

Ja, du liest richtig. Und ich weiß, du fährst nach Sardinien und im Süden ist es ja bekanntlich viel wärmer und sonniger als im winterlich-grauen und regnerisch-matschigen Nordeuropa. Nicht immer, sage ich dazu nur. Vor allem nicht im Winterhalbjahr in den Häusern! Wenn du also schon am Recherchieren deiner Unterkunft bist, erkundige dich auf jeden Fall nach den Heizmöglichkeiten in der Wohnung und natürlich nach den Zusatzkosten dafür! Üblich sind hier in den alten Häusern offene Kamine. Ferienwohnungen verfügen aber meistens über Klimaanlagen, die im Winter zum Heizen genutzt werden. Das Ergebnis: wenig zufriedenstellend. Manche ergänzen mit Elektro- oder Gasöfen. Neuerdings werden vor allem Pellet-Einzelöfen installiert. Meiner Meinung nach die beste Lösung. Also, bitte unbedingt nachfragen. Und packe auf jeden Fall noch eine extra Schicht Kleidung für den Abend im Haus und/oder eine kuschelige Fleecedecke mit in den Koffer. Es wird hier in den Wintermonaten empfindlich kalt in den Wohnungen.

 

Und? Alle Fragen mit Ja beantwortet?

Schön. Dann hast du noch den ganzen März und den ganzen April und eigentlich auch noch den Mai ganz für dich alleine hier. Mach was draus!

Denn wo andernorts schon emsig gehämmert, gestrichen und aufgeräumt wird, bleiben hier die meisten Fensterläden der Restaurants, Hotels und Ferienunterkünfte noch fest verschlossen, Strände und Fußwege der Natur überlassen. Die Menschen gehen ihrem ganz normalen Alltagsleben nach und lassen sich dabei nicht aus der Ruhe bringen. In Sachen Tourismus beschäftigt sich Lotzorai und Umgebung frühestens ab Ende April mit dem Aufwachen aus dem Winterschlaf. Ernsthaft die Ärmel hoch gekrempelt wird ab Ende Mai.

Alles ist herrlich tiefenentspannt. Du lässt dir warme Sonnenstrahlen auf die Haut scheinen. Zuweilen pustet dir eine kräftige Meerbrise den Kopf frei. Und du kannst den ganzen Tag ungestört und nach Herzenslust am Strand entlang oder durch die Berge streifen.

Besser Urlaub machen geht nicht, finde ich.

 

Auf dem Weg zur Punta Giradili: Der Blick reicht über die Pedra Longa bis zu den Inseln und nach Arbatax.

 

 

 

6 Responses

  1. Ursula Gruemann

    Wunderbar – und selber schon erprobt. Dasselbe gilt für November – Dezember, nur dass es da meistens noch wärmer ist.

    • tine

      Liebe Ursula, du hast recht: Meistens ist es hier bis nach Neujahr erstaunlich warm. Kühleres Wetter und Schnee haben sich ziemlich „nach hinten“ verschoben. Herzlichen Gruß, Christine

  2. feli steinwand

    Liebe Tine! Das weckt das Sardinien -Fieber in mir! Herrlich beschrieben, Danke! Hoffe es geht Euch gut?
    LG von feli 🙂

    • tine

      Liebe Feli, das höre ich gerne! 😉
      Bis bald also hier auf Sardinien und sonnigen Gruß von uns

  3. Marion Maikorb

    Marion

    würde am liebsten sofort die Koffer packen und kommen – in dieses Paradies .

    Dir , liebe Christine weiterhin ein wundervolles Leben dort .

    Liebe Grüsse

    Marion

    • tine

      Liebe Marion, vielen Dank für die guten Wünsche. Zu deinem Trost: Auch hier ist allerdings nicht immer alles so paradiesisch… 😉 Eben wie überall. Wann packst du denn das nächste Mal die Koffer nach Sardinien? Herzliche Grüße, Christine

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