Ins Ausland mit Pferd

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— Pferdetransport ins Ausland: Teil 2 —

 

06_Pepe_Ochsenberg10 Fragen an Pferdetransport-Profi Werner Kniese

Werner Kniese, ehemaliger Jockey und durch und durch Pferdemensch, besitzt über 20 Jahre Erfahrung im nationalen und internationalen Pferdetransportgeschäft. Bis Dezember 2015 war er zehn Jahre lang Vorsitzender im Verband deutscher Pferdetranporteure e.V., der sich für einen tiergerechten Transport stark macht. Werner Kniese ist mit seinem Unternehmen zur Zeit der einzige deutsche Pferdetransporteur mit monatlichem Verkehr von und nach Mallorca.

Werner Kniese: „Wir transportieren nicht, wir befördern. Transportiert werden Päckchen. Wir aber befördern Emotionen, die Familienmitglieder unserer Kunden. Und so muss ich diese Aufgabe auch angehen.“

 

1   Was ist für Sie in Sachen Pferdegesundheit das A und O bei einem längeren, manchmal mehrtägigen Pferdetransport?

Eine sorgfältige Planung, Kenntnisse über Strecke und Witterungsveränderungen sowie ein geeignetes Transportmittel und fachliche Kompetenz sind für einen stressfreien und minimal belastenden Transport die wichtigsten Voraussetzungen. Viel wichtiger als schicke Fotos vom Transporter auf der Internetseite und die Herausstellung von Ausstattungsdetails wie Klimaanlage und Webcam sind die Fachkompetenz des Teams und ein Fahrzeug, das eine gute Betreuung und Kontrolle der Tiere unterwegs zulässt.

 

02_Pepe_Einstieg2   Worauf sollte man besonders achten?

Eine wichtige Arbeit des Transporteurs beginnt bereits bevor das Pferd überhaupt einen Kilometer transportiert wurde. Das Verladen! Gerade bei mehrtägigen Transporten ist es unerlässlich, dass das Pferd diesen Vorgang nicht als Bedrohung betrachtet, sondern hier das nötige Vertrauen erlangt und behält. Stopps mit ausreichender Boxenruhe sollten Pflicht sein. Hinzu kommt die Kenntnis über die unterschiedliche Belastbarkeit je nach Alter und Rasse der zu transportierenden Pferde. Während des Transports sollte gewohntes Futter gegeben werden und die Wasseraufnahme im Verhältnis zu den Temperaturen und zum Pferd passen. Transportgamaschen empfehle ich nur, wenn das Pferd an diese gewöhnt ist. Zu beachten ist hierbei aber, dass es gerade in wärmeren Ländern und auf längeren Transportstrecken zu Wärmeentwicklung an den Beinen kommt, was wiederum Juckreiz und Unbehagen zur Folge hat.

 

3   Wie sehen die gesetzlichen Vorgaben aus?

Transporte über 8 Stunden dürfen nur mit einer Transportzulassung (Typ 2) und mit Transportfahrzeugen mit Zulassung nach Artikel 18 der Verordnung (EG) Nr. 1/2005 durchgeführt werden. Für alle Transporte unter 8 Stunden gilt die Zulassung Typ 1 als ausreichend. Die maximal zulässige Transportzeit für Pferde (eingetragene Equiden) ist 24 Stunden. Aber aufgepasst! Bei Fahrten mit Fährpassage können daraus schnell 36 Stunden werden. Denn die Zeit auf der Fähre zählt offiziell nicht als Transportzeit.

 

01_Pepe_Box 4   Wie kann ich mich im Vorfeld gegen zu lange Transportzeiten absichern?

Bei einer vernünftigen Planung sollte der Transporteur (inkl. Fähre) in Abständen von 10 bis maximal 16 Stunden seine Haltepunkte erreicht haben und den Pferden mindestens 9 bis 11 Stunden Pause geben. Über Transportdauer sowie Haltepunkte und  -zeiten hat der Transporteur einen Transportplan zu erstellen. Ebensso ist ein „Notfallplan“ Pflicht: Der sollte beispielsweise auch darüber Auskunft geben, wo unterwegs im Notfall ein Tierarzt zu Rate gezogen werden kann. Unerlässlich ist ein schriftlicher Transportvertrag, in welchem Transportablauf und Transportpreis vereinbart sind.

 

5   Wie wähle ich den „richtigen“ Transporteur aus?

Grundsätzlich ist zu prüfen, ob das Unternehmen über die jeweiligen erforderlichen Erlaubnisse und Genehmigungen verfügt. Von Transporteuren, die diese nicht vorlegen oder keinen schriftlichen Transportvertrag machen möchten, sollte man besser gleich die Finger lassen. Wichtig ist, dass es nach einer ersten Anfrage ein ausführliches Gespräch zwischen Pferdebesitzer und Transporteur zur Klärung aller noch offenen Fragen gibt. Im Anschluss daran kann dass Transportunternehmen einen detaillierten Ablaufplan vorlegen, der die Grundlage für den oben genannten Transportvertrag bildet. Wichtig auch: Viele Transportunternehmen haben Erfahrungen mit Tagesfahrten. An Transporte über mehrere Tage und über Nacht werden aber weit größere Anforderungen gestellt.

 

6   Was ist insbesondere bei Sammeltransporten zu beachten?

Hier ist vorab unbedingt die Beiladungsart zu klären: Werden die Pferde vor der Reise und vor dem eigentlichen Start des Sammeltransports zentral an einem Ort zusammen geholt? Werden extra Umwege für die Zuladung weiterer Pferde gemacht, so dass sich die Fahrtzeit für das eigene Pferd weiter erhöht? Die Tierschutztransportvorschriften schreiben außerdem vor, dass der Transport ab dem letzten Haltepunkt bis zum Ausladen auf dem schnellsten und kürzesten Weg zu erfolgen hat.

 

7   Kann auch jeder Privatmann sein eigenes Pferd ins Ausland transportieren?

Selbstverständlich darf jeder Besitzer sein eigenes Pferd immer und auch ins Ausland transportieren. Ein privater Transport ist nicht an die Tierschutztransportverordnung gebunden und unterliegt somit keinen Auflagen zum Transport und zu den Anforderungen an das Transportfahrzeug.

 

8   Gelten für Privatpersonen überall dieselben Bestimmungen?

Andere Länder, andere Sitten, d.h. es ist angeraten, im Vorfeld genau zu recherchieren. Wurde das Auto bei einem Umzug bereits in die neue Heimat umgemeldet, darf in einigen Ländern kein Anhänger mit deutscher Zulassung gezogen werden. Außerdem gelten im Ausland oft andere Führerscheinbedingungen, was den Tiertransport oder das Fahren mit Hänger angeht.

 

9   Welche Formalitäten muss man bei einem Pferdetransport ins Ausland vor der Abreise erledigen? Und welche Papiere werden aktuell an der Grenze verlangt?

Ein Pferdebesitzer hat im grenzüberschreitenden Verkehr neben dem Pferdepass ein Gesundheitszeugnis mitzuführen. Dieses wird am Abgangsort (in Deutschland durch das Veterinäramt) ausgestellt und ist für maximal 10 Tage gültig. Geht die Reise in Nicht-EU-Staaten sind zusätzliche Zollformalitäten zu beachten. Wird ein Transportunternehmen beauftragt, muss ich mich als Privatperson nur um das Gesundheitszeugnis kümmern. Die Erledigung aller anderen Formalitäten liegt in der Pflicht des Transporteurs. Er muss die erforderlichen Papiere beschaffen und ist für die gesamte Abwicklung ab der Übernahme bis zur Übergabe des Pferdes verantwortlich.

 

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10   Wo bekommt man aktuelle Auskunft über das jeweilige Land?

Infos zu den Zollformalitäten geben die zuständigen Zollämter. Auch als Privatperson sollte man sich über die jeweiligen nationalen Tierschutztransportbedingungen informieren. Auskunft darüber erhält man beim Veterinäramt oder über die Botschaft des entsprechenden Landes in Deutschland. Letztere hilft auch in Sachen gültiger Führerscheinbedingungen im Einreiseland weiter.

 

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Über meine ganz persönlichen Erfahrungen beim Pferdetransport nach Sardinien kannst du hier lesen.

 

 

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